Samstag, 6. Februar 2010

Review: Izo

Izo
Originaltitel: Izo
Japan
Jahr: 2004
Laufzeit: 123 Minuten
FSK KJ

Regie: Takashi Miike
Cast: in einer Gastrolle: Takeshi Kitano

Genre: Tragödie

Plot: Im feudalen Japan wird der Massenmörder Izo öffentlich hingerichtet. Doch seine von Hass zerfressene Seele findet keine Ruhe und so reinkarniert bzw. fällt Izo buchstäblich fortan durch den Strudel der Epochen, metzelt sich, zerrissen von Trauer und Hass, durch nicht endenwollende Gegnerhorden, kämpft verbissen gegen jede Obrigkeit und fordert schlussendlich sogar Gott heraus.

Spannung: 6/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 6/10
Humor: 2/10
Anspruch: 7/10
Unterhaltungswert: 6/10

Cast: 7/10
Score: -/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 7/10
FX: 5/10
Gore: 6/10
Synchro: mäßig (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Philosophisches Zeitreisen und Köpfe abschlagen: 100%
  • Spannungsbögen: 0% 
  • Was-zum-Teufel-passiert-hier?: 100%

Bewertung: Takashi Miikes "Izo" als Splatter abzutun, wird dem Film nicht gerecht. Die ausufernde Gewalt ist hier mehr als nur dem Selbstzweck dienlich, sie dient nicht nur der Geschichte und illustriert sie, sie IST die Geschichte. Izo, der personifizierte Hass, wird wieder und wieder geboren, stets getrieben von Trauer und Schmerz. Auf seiner Reise verpasst er schliesslich seine Chance auf Erlösung, verliert den letzten Rest alles menschlichen, wird zu einer Art Dämon und setzt sich über alle Naturgesetze hinweg um sich schliesslich sogar gegen Gott aufzulehnen. Miike verzichtet dabei weitestgehend sowohl auf einen roten Faden als auch auf einen Spannungsbogen. Gerade die ruhigen Szenen ziehen sich dabei äusserst oft in die Länge und strapazieren die Geduld des Zuschauers, der immerhin, trotz geringen Budgets und einfachen Mitteln, mit teilweise wunderschönen und stimmungsvollen Bildkompositionen verwöhnt wird. Mir fehlte aber auch ein wenig die Tiefe: gerade bei der recht langen Laufzeit und den vielen, scheinbar sinnlos aneinander gereihten Sequenzen und dem fehlenden Spannungsbogen, wirkt Izo schnell (und ungerechtfertigt) oberflächlich und es drängt sich unmittelbar das Adjektiv "pseudophilosophisch" auf: die "Hauptidee" ist schnell ausgemacht und vieles drumherum wirkt oft aufgesetzt - und das hat Izo nicht verdient. Denn tatsächlich wird hier eine grandiose Geschichte erzählt, die existenzieller kaum sein könnte und an die großen Tragödien erinnert. Etwas Gefühl für Dramaturgie oder 20 Minuten weniger, Takashi Miike hätte es in der Hand gehabt, seinen Film zugänglicher zu machen, aber das lag wohl auch gar nicht in seiner Absicht. Schade, denn so wird er auch manchem durchaus gewillten Zuschauer zu unbequem.



Fazit: Izo ist kein Metzelfilm, sondern nicht weniger als ein episches Gleichnis. Wenn also das oben Geschriebene zu negativ für die Punktwertung klingt, dann liegt es einzig daran, dass ich mich nicht so für Izo begeistern kann, wie ich es gerne würde. Für mich war Miikes Izo auf gutem Weg ein großes Werk der Filmkunst zu werden und scheiterte dann doch. Grandios und doppelbödig bebildert, kann er mich doch als Film nicht ganz überzeugen, denn die eigentlich interessante Geschichte zieht sich durch unnötig viele Filmminuten und verliert schnell an Reiz. Trotzdem ist Izo ein guter Film, wenn auch nicht für Jederman.

7.5/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
Zatoichi
Visitor-Q
Hana-Bi

Donnerstag, 4. Februar 2010

Trailer: Tucker and Dale vs. Evil

Man kennt das: eine mehr oder weniger bunt gewürfelte Gruppe Teenager (Cheerleaderin, stumpfer Sport-Stipendiat, subversiver Aussenseiter, etc) unternimmt einen Roadtrip in die hinterletzte Ecke Mittelamerikas oder ist zumindest auf der Durchreise. Dabei trifft sie früher oder später auf die degenerierten Einwohner der finsteren Wälder und menschenfeindlichen Einöde - und die intellektuell zwischen Toast und Ziegel rangierenden Hinterwäldler sähen die verwöhnten Städter natürlich am liebsten direkt am heimischen Fleischerhaken. Et voilá: Fertig ist der Durchschnitt-Slasher. 2006 wurde das Genre schon wunderbar schwarzhumorig und mit ein paar sozialkritischen Anleihen von "Severance" auf die Spitze getrieben, nun setzt die kommende Slasher-Parodie "Tucker & Dale vs. Evil" noch einen drauf: Dort ist die größte Gefahr für die nervigen Jugendlichen nämlich nicht die vertrottelte Landbrut, sondern die eigene Paranoia... Der (recht blutige) Trailer verspricht jedenfalls schon einiges - und selbst wenn im Trailer schon alle guten Szenen gezeigt wurden, was ich nicht hoffe, so hätte "Tucker & Dale vs. Evil" immernoch mehr gute Szenen als der Durchschnitts-Slasher. Trailer ab!

Mittwoch, 3. Februar 2010

Trailer: Einer gegen das Imperium

Mir ist da gerade wieder eine Filmperle in den Sinn gekommen, die zu vergessen viel zu schade wäre: "Einer gegen das Imperium" (orig.: Il mondo di Yor), eine Trashperle sondergleichen. Versucht man zunächst auf der Barbarenfilm-Welle mitzureiten, fiel den Produzenten wohl mitten im Film auf, dass Star Wars doch irgendwie cooler ist und das ganze Ding schwingt komplett um. Eine unbekannte, hochtechnisierte Zivilisation bestehend aus Darth-Vader-Sturmtruppen-Klonen will dem Protagonisten an den Lendenschurz. Logisch, dass der sympathisch-debil dahergrinsende Ken-Verschnitt mit dem toten Tier ungeklärter Herkunft auf dem Kopf - zuvor noch mit der Keule einen Triceratops ausgeknockt - sofort mit nebenbei aufgeklaubten Laserwaffen umzugehen weiss. Hier geht einfach alles und genau SO muss ein italienisches B-Movie auch sein!

Sonntag, 31. Januar 2010

Trailer: King Crab Attack

Weniges, was ich in letzter Zeit an Trailern gesehen habe, passt so gut in die Kategorie WTF wie King Crab Attack. Soweit ich das verstanden habe, ein 7 minütiger Kurzfilm - bei sieben Minuten Laufzeit und Riesenkrabben, das kann ja nur gut sein!



Ps: Mal wieder Dank an Christian und seinen unerschöpflichen Kuriositäten Fundus.

Samstag, 23. Januar 2010

Review: Shaun of the Dead

"Gehiiiiiiirrrrnnn...!!" - unbekannt
Shaun of the Dead
Originaltitel: Shaun of the Dead
GB
Jahr: 2004
Laufzeit: 95 Minuten
FSK 16

Regie: Edgar Wright
Cast: Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield

Genre: Horror/Komödie

Plot: Shaun, stramm auf die 30 zugehend, Verkäufer ohne berufliche Perspektive in einem Elektronikfachmarkt und von seinen weit jüngeren Kollegen verlacht, steht kurz vor dem Beziehungs-Aus. Denn seine Freundin ist mit diesem Leben noch weit unzufriedener als er selbst und besonders der Umstand, dass Shaun viel zu oft zur geistigen Zerstreuung ins Winchester, seinem Stammpub, einkehrt und mehr Zeit mit seinem geistig schon mehr als zerstreutem Mitbewohner Ed (obszön & stinkend faul) verbringt als mit ihr, ist der zwischenmenschlichen Harmonie wenig zuträglich. In dieser trostlosen Situation wimmelt es in London plötzlich vor Zombies Untoten, zuvor durch unheilvolle Vorzeichen bereits angekündigt, doch zunächst von Shaun, seinem Alltagstrott blind nachgehend, unbemerkt. Nun gilt es sich selbst und die Liebsten (und die, die man halt leider auch mitnehmen muss) zu retten, der (mittlerweile Ex-)Freundin klarzumachen, dass sich alles ändern wird und den sichersten Ort aufzusuchen, der einem auf die Schnelle in den Kopf kommt: das Winchester...

Spannung: 8/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 7/10
Humor: 9/10
Anspruch: 6/10
Unterhaltungswert: 9/10 (mit Bier: 10/10)

Cast: 8/10
Score: 7/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 8/10
FX: 6/10
Gore: 6/10
Synchro: ausgezeichnet (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Jein

Kurzinhalt:
  • Untote, Infizierte und das Wort mit Z: 100% 
  • britischer Humor: 100% 

Bewertung: Eins vorweg: Es ist mir unmöglich, bei diesem Film wirklich neutral zu sein und deshalb versuch ich das auch gar nicht erst. Ich habe „Shaun of the Dead“ mittlerweile mindestens 10-15 mal gesehen und dabei wird es vermutlich auch nicht bleiben. Warum? Weil Shaun of the Dead zu den besten Zombie - Filmen zählt, deren Genre er auf den ersten Blick parodiert. Aber nur auf den ersten, denn in Wirklichkeit ist SotD keine Parodie, sondern eine Hommage an den wohl besten Zombie – Film aller Zeiten, namentlich „Dawn of the Dead“ von 1978, sowie der anderen Werke George A. Romeros. Er zieht dabei die Eigenheiten dieser Filmgattung nicht ins Lächerliche, sondern spielt mit ihnen und ihren Klischees, beachtet dabei aber stets ihre ungeschriebenen Regeln oder führt sie bewusst vor.


SotD wirkt daher nie blödsinnig oder platt, was auch auf den unbestreitbaren Fokus auf die Charaktere und deren Beziehung untereinander, sowie dem unschlagbaren britischen Humor zurückzuführen ist. Während in anderen Produktionen keine Figurenkonstellation zu beliebig und austauschbar, kein Slapstick zu flach und keine Story zu gradlinig ist, ist bei Shaun of the Dead die Liebe zum Genre und zum großen Vorbild in jeder Szene allgegenwärtig. Das dürfte auch der Grund sein, warum sowohl Filmfan Tarantino als auch Romero selbst von SotD überaus angetan waren, Hauptdarsteller Simon Pegg und Regisseur hatten anschliessend sogar einen Cameo Auftritt in Romeros „Land of the Dead“(2005). In diesem spielt im übrigen auch Asia Argento, Tochter des italienischen Meisterregisseurs Dario Argento mit, aber dies nur am Rande.
Auch wenn es bei Shaun of the Dead nicht zimperlich zur Sache geht, hat es der Film, eben im Gegensatz zu einer reinen Parodie, nicht nötig, sich in übertriebener Gewaltdarstellung zu ergehen. Shaun of the Dead ist eigenständig und funktioniert auch auf einer anderen Ebene, der zwischenmenschlichen, besonders die der Beziehung zwischen Shaun und Liz, seiner Freundin/Ex-Freundin. Und nicht zuletzt das ist es auch, was Shaun of the Dead z.B. dem mäßigen, aber erfolgreichen „Zombieland“(2009) vorraus hat.


Fazit: Was soll ich noch sagen: Viel Liebe zum Detail, Romero - Zitate en masse, britische Situationskomik und eine im Genre unerreichte Gagdichte.. ach, was müh ich mir hier einen ab: besser als jeder Film des unsäglichen „Fun Splatter“-Genres, beste Horrorkomödie und einer der besten Zombiefilme aller Zeiten! Insbesondere für den anspruchsvolleren, entsprechend vorgebildeten Filmfreund mit eindeutiger Präferenz zu hirntoten Schlurfern und Schleichern gibt es keinen Weg vorbei an Shaun of the Dead.

10/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
Dawn of the Dead
The Return of the Living Dead
Braindead
Re-Animator
Tanz der Teufel 1-3
Land of the Dead

Samstag, 16. Januar 2010

Was ist Teil des Plans?



HOLLYWOOD-FREIER,
EXPLOITATION & SEHENSWERTE FILME BLOG!

[ Naja, zumindest halbwegs (Mainstream-)Hollywood-frei ]

Sonntag, 10. Januar 2010

Mit Dankeschön ins Jahr 2010!

Ich weiss, es ist nicht unverdient, dennoch bin ich doch sehr gerührt:
Danke, Danke, Danke an alle!!

Trailer: Italian Spiderman

Da ich derzeit die ganzen Sachen aus den 60ern und frühen 70ern so super finde, hier ein nicht mehr taufrischer, aber dufter Trailer zu Italian Spiderman mit super Musik! Actione!

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Trailer: Kick Ass

Hab heute zum ersten mal davon gehört und bin so angetan vom Trailer, dass ich den natürlich nicht für mich behalten kann:

Kick Ass Trailer bei firstshowing.net

Absolut sehenswert!

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Trailer: The Boondock Saints 2 .. Guess who's back..

..guess who's back, guess who's back...

Trailer hier. So gut wie der erste kann er nicht werden, aber ... na und? Juchu!
Kinostart in den USA ist bereits der 30. Oktober!

Sonntag, 18. Oktober 2009

Review: Bubba Ho-Tep

"So ziemlich jeder mag Bubba Ho-Tep..!" - Jeff in 'My Name is Bruce'

Bubba Ho-Tep
Originaltitel: Bubba Ho-Tep
USA
Jahr: 2002
Laufzeit: 92 Minuten
FSK 16

Regie: Don Coscarelli
Cast: Bruce Campbell, Ossie Davis (2005 leider verstorben)

Genre: Horror/Komödie

Plot: Elvis lebt! Verbittert vegetiert er in einem heruntergekommenen Altersheim vor sich hin, sein einziger Freund ist ausgerechnet John F. Kennedy, der davon überzeugt ist, dass er vom amerikanischen Geheimdienst schwarz eingefärbt - damit niemand ihn als den ehemaligen Präsidenten erkennt - und somit mundtot gemacht wurde. Auch Elvis wird für seinen eigenen Imitator gehalten und so ist klar, dass den beiden niemand Glauben schenken wird, als sie in den Gängen des Altersheims einer nächtlich mordenden Mumie auf die Spur kommen...

Spannung: 7/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 6/10
Humor: 9/10
Anspruch: 4/10
Unterhaltungswert: 8/10 (mit Bier: 9/10)

Cast: 8/10 (Bruce)
Score: 8/10
Screenplay: 7/10
Produktion: 7/10
FX: 5/10
Gore: 2/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Jein

Kurzinhalt:
  • Rollstuhl und Rollator Showdown: 80% 
  • Rentner und andere Mumien: 90% 
  • Bruce Campbell: 100%

Bewertung:

Die Story ist abstrus, die Effekte so naja, Blut gibt's auch keins, die Hauptcharaktere haben Mühe sich auf den Beinen zu halten und nicht wegzudösen, die böse Mumie trägt einen Cowboyhut.. also was haben wir hier? Ganz klar, den wohl besten Bruce Cambpell Film seit langem, wenn nicht überhaupt! Selten hat ein (recht neuer) Film so viel Charme an den Tag gelegt wie "Bubba Ho-Tep". Man muss die beiden Hauptcharaktere einfach mögen. Und so schlägt der Humor zwar oft unter die Gürtellinie, aber stets bleibt der Zuschauer in einer liebevollen Beziehung zu den beiden Anti-Helden, er lacht mehr mit ihnen als über sie und über allem liegt eine melancholische Grundstimmung, die vom fantastischen Score wunderbar mitgetragen wird. Bruce Campbell brilliert als zynischer, in inneren Monologen und Erinnerungen an alte Zeiten verlorener Elvis Presley, in seiner gewohnt übertrieben-hysterischen Art, vielleicht die beste Rolle, die er bisher gespielt hat.
"Bubba Ho-Tep" ist kein Actionreisser, kein Gore-Schocker, kein Thriller mit überraschenden Story-Kniffen.. es ist eine in seinen Grundelementen erstaunlich gewöhnliche Horrorkomödie: ungewöhnlich ist höchstens die ruhige Erzählweise, der Fokus auf seine Hauptcharaktere und, trotz vieler geeigneter Vorlagen, der Verzicht, diese ins Lächerliche zu ziehen und sie stattdessen ernst zu nehmen; erstaunlich ist vorallem, wie gut das alles funktioniert.

Fazit: Ein Bruce Campbell Film, wie man ihn sich wünscht - nein, sogar noch besser! 92 Minuten beste Unterhaltung, eine melancholiche Horrorkomödie, die einen mit einem angenehmen Gefühl zurücklässt. All is well!

9/10
Artverwandtes:
Armee der Finsternis
My Name is Bruce
Shaun of the Dead

Freitag, 9. Oktober 2009

Review: Sukiyaki Western: Django


Sukiyaki Western: Django
Originaltitel: Sukiyaki Uesutan Jango
Japan
Jahr: 2007
Laufzeit: 94 Minuten
FSK 18

Regie: Takashi Miike

Genre: Western/Eastern/Komödie

Plot: Im beschaulichen Dorf Yuta stehen sich der Genji und der Heike Clan gegenüber, beide bis auf's Blut verfeindet, beide wollen sie den Goldschatz des Dorfes finden, um dessen Existenz sich zahlreiche Legenden ranken... sehr zum Leidwesen der Dorfbewohner, von denen die meisten mittlerweile geflohen sind. Mit dem plötzlichen Auftauchen eines unbekannten Fremden kommt wieder Bewegung in die festgefahrenen Frontlinien..

Spannung: 7/10
Atmosphäre: 4/10
Action: 7/10
Humor: 6/10
Anspruch: 5/10
Unterhaltungswert: 7/10

Cast: 6/10
Score: 4/10
Screenplay: 7/10
Produktion: 7/10
FX: 5/10
Gore: 3/10
Synchro: ok (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein


Kurzinhalt:
  • Särge mit Miniguns und andere Anspielungen: 100%
  • Mit Bogen schiessen: 0%
  • Im Bogen schiessen: 100%

Bewertung:

Tarantinos „Kill Bill Volume 1“ war die westliche Ehrung des Eastern, Miike geht nun gewissermaßen in die entgegengesetzte Richtung. Der Spaghetti Western wird zum fernöstlichen Sukiyaki* Western (*Eintopfgericht der japanischen Küche).
Ich mag Miike. Und ich mag Tarantino. Aber schon mit Kill Bill Volume 1 konnte ich nichts anfangen, der in meinen Augen schlechteste Film von Tarantino, vermutlich gerade weil ich ein großer Fan von Eastern bin. Auch Miikes Beitrag zum Eastern-Western-Mix will bei mir nicht so recht zünden. Dabei macht Miike vieles richtig und ist dabei ähnlich zitierwütig wie Kollege Tarantino, der natürlich bei einer Django Homage nicht fehlen darf und eine kleine Gastrolle spendiert bekam. Eine Minigun, die in einem Sarg gezogen wird, zwei verfeindete Clans, ein Goldschatz.. dasselbe Kreuz wie im Finale von Django segelt durch die Luft in den Rücken eines Schufts. Die Bezüge zum großen Vorbild sind eindeutig, wenn sich auch vieles wie z.B. der Rassismus im Vergleich zu „Django“ eher abstrakt darstellt. Und es gibt wohl noch eine Vielzahl Zitate, die mir nicht aufgefallen sind, die für mich aber auch bei einem Film nicht mehr als schmückendes Beiwerk sein können.
Die Miike-typischen verrückten Ideen sind da, die Bilder sind teils toll, leiden aber oft unter merkwürdigen Farbfiltern. Die Schnitte sind gelungen, die Schiessereien und die Story sind ok, manche Gags sind wirklich zum kaputtlachen (leider zu selten), soweit so gut. Aber es will einfach keine Western Atmosphäre entstehen, es will irgendwie überhaupt keine rechte Atmosphäre entstehen. Die Charaktere bleiben eindimensional und uninteressant. Und auch ein absoluter Atmosphäre-killer: Computeranimierte Mündungsfeuer! Sowas geht in Deadly Outlaw Rekka, aber nicht in einem Western, hier geht es um Rauch, Staub, Blut und Schweiß. Sukiyaki Western: Django erscheint mehr durchgestylt als räudig, schmutzig, antstößig.. Und so offenbart sich das Hauptproblem des Films: Miikes Western ist zu wenig Western um noch als solcher erkennbar zu sein. Fans des Italo Westerns werden Sukiyaki Western: Django als inkonsequent betrachten, als einen Klassiker zitierenden Eastern mit Cowboyhut. Und solche, die mit Western nichts anfangen können, werden mit dem Sukiyaki Western ohnehin auch nicht glücklich.

Fazit: „Sukiyaki Western: Django“ ist beileibe kein schlechter Film und kann durchaus unterhalten, aber leider bleibt er trotz interessanter Ideen weit hinter den Erwartungen zurück. Mit Bier und Freunden ist Miikes Werk ein gut inszenierter Actionfilm und Genrekenner freuen sich über das ein oder andere Zitat.

Auf keinen Fall sollte man sich im Übrigen die original Tonspur auf englisch antun, denn selbst Muttersprachler verstehen bei dem Kauderwelsch der japanischen Darsteller wenig.

6.5/10
Artverwandtes:
Kill Bill Vol. 1
Kill Bill Vol. 2

Dienstag, 6. Oktober 2009

Update

Die Filmreviews wurden einiger Überarbeitungen unterzogen, das Ergebnis ist dabei noch nicht final. Es kann sich also am Aufbau, aber auch und vorallem an den Punktbewertungen noch des öfteren etwas ändern, besonders bei letzterem muss ich öfters mal "nachkalibrieren".

Ausserdem versuche ich nun zu jedem Film den Plot als auch eine detailiertere Bewertung zu schreiben.

Samstag, 3. Oktober 2009

Review: Menschenfeind

"Erst kommt das Fressen, dann die Moral." - Bertolt Brecht


Menschenfeind
Originaltitel: Seul contre tous
Frankreich
Jahr: 1998
Laufzeit: 89 Minuten
FSK 18

Regie: Gaspar Noé

Genre: Spielfilm (Drama)

Plot: "Menschenfeind" erzählt die Geschichte eines Mannes, dem das Leben stets hart mitgespielt hat. Als Kind von einem Geistlichen sexuell missbraucht, später von der Frau allein mit seiner Tochter zurückgelassen, tötet er beinahe einen (gänzlich unschuldigen) Bauarbeiter, als er denkt, dieser habe seine Tochter vergewaltigt. Als er aus dem Gefängnis kommt, will er mit der von ihm schwangeren, aber ungeliebten neuen Frau ein neues Leben in einer anderen Stadt anfangen und dort mit ihrem Geld eine Metzgerei eröffnen. Doch wie so vieles in seinem Leben scheitert auch dieser Versuch um ein Leben in Normalität und Akzeptanz, stattdessen erfährt er Demütigung um Demütigung und es zeigt sich, dass die Vorstellungen von Redlichkeit und Moral stark von der Perspektive abhängen..

Spannung: 8/10
Atmosphäre: 9/10
Action: 3/10
Humor: 3/10
Anspruch: 8/10
Unterhaltungswert: 8/10

Cast: 8/10
Score: -/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 7/10
FX: -/10
Gore: 3/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Verachtung, Wut und Frauenfeindlichkeit: 100%
  • krude, vor Hass sprühende Gedankenströme: 100%
  • Inzest und Kinderhack: 100%

Bewertung:

Im viel diskutierten "Menschenfeind" von Gaspar Noé prasselt ein derart wütender stream of consciousness auf den Zuschauer ein, dass dieser so oft zwischen den Zuständen der Ablehnung, Empörung, distanzierter Belustigung und heimlicher Zustimmung schwankt, bis er spätestens beim stakatohaften Finale nicht mehr weiss, wo ihm überhaupt der Kopf steht. Die schon bei scheinbaren Kleinigkeiten im Kopf des vom Leben gebeutelten Protagonisten explodierenden Hasstiraden kommen einem nicht selten seltsam bekannt vor. Das macht die Hauptperson aber keineswegs sympathischer, nein, der Metzger bleibt ein perverser Widerling, unfähig zur Selbstreflexion, frei jeder sozialen Kompetenz. Die eigene, in wütenden Momenten oft so ähnliche Denkweise scheint mit einem Mal fremd und fragwürdig. Diesen Effekt nutzt der Film und spielt mit der Hoffnung des Zuschauers auf das Gute im Menschen, lässt sie jedoch nur kurz keimen um sie dann wieder mit voller Verachtung in den Dreck zu treten. Die Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit sind geradezu allgegenwärtig und das Gefühl, auch ausserhalb des Gefängnisses nur ein Gefangener zu sein, beinahe greifbar.

Letzten Endes bleibt Menschenfeind ein Film, bei dem es schwer fällt seine Essenz in Worte zu fassen. Denn mehr noch als das erbärmliche soziale Milieu, in denen sich die Protagonisten befinden und die schlimmen Schicksalsschläge, die der Metzger, seine Frau und seine Tochter erleiden, schockieren den Zuschauer die kompromislosen Charakterzüge des Metzgers selbst, in denen sich das tierhafte, primitive des Menschen in all seiner Abscheulichkeit offenbart. Die Selbstverständlichkeit, mit der die ethischen Grundsätze innerhalb unseres sozialen Gefüges verstanden werden, zeigen sich als naive Illusion und werden, fallend, eine Frage des Standpunktes. Diese desillusionierende Wirkung auf den Zuschauer ist das eigentlich Besondere an "Menschenfeind" - und es scheint unmöglich sich ihr zu entziehen. Denn mit donnerndem Klang untermalt, wird die deprimierende Botschaft des Films in dessen Verlauf mit abrupten Schnitten immer wieder regelrecht in die Wahrnehmung des Zuschauers hinein geprügelt. Und so bleibt die Erkenntnis, dass nicht nur die Zeit, sondern auch die Moral als relativ zu betrachten ist.

Fazit: Keine Sympathieträger, kein Happy-End. "Menschenfeind" ist verstörend, desillusionierend, schonungslos und abstoßend und ähnlich Michael Hanekes "Funny Games"(1997) hart an der Grenze des Erträglichen - also alles, aber kein Popcorn-Kino. Dafür aber ein einfach großartiger Film.

9/10 
Artverwandtes:
Irreversibel
Funny Games

Freitag, 2. Oktober 2009

Review: Ein Zombie hing am Glockenseil

"Der Mensch besteht aus Knochen, Fleisch, Blut, Speichel, Zellen und Eitelkeit."
- Kurt Tucholsky



Ein Zombie hing am Glockenseil 
/ City of the Living Dead
Originaltitel: Paura nella città dei morti viventi
Italien
Jahr: 1980
Laufzeit: 93 Minuten
FSK Indiziert & bundesweit beschlagnahmt

Regie: Lucio Fulci
Cast: Christopher George, Catriona MacColl

Genre: Horror (Zombie/Splatter/Gore)

Plot: Während einer Séance beobachtet ein Medium den Selbstmord eines Priesters und verstirbt unmittelbar danach augenscheinlich selbst. Die Leiterin dieser spiritistischen Sitzung vermutet daraufhin einen Zusammenhang zu einer alten Prophezeiung, nach der sich im Ort Dunwich nach dem Selbstmord eines Geistlichen die Toten aus den Gräbern erheben. Das doch nicht so tote Medium wird lebendig begraben, kann jedoch rechtzeitig von einem zufällig anwesenden Reporter befreit werden (und hat Glück dabei, nicht durch die vom Reporter mit vollem Eifer geschwungene Spitzhacke erschlagen zu werden). Beide machen sich daraufhin auf gen Dunwich, wo sich die unheilvolle Prophezeiung bereits zu erfüllen beginnt...

Spannung: 5/10
Atmosphäre: 4/10
Action: 5/10
Humor: 2/10
Anspruch: 1/10
Unterhaltungswert: 6/10 (mit Bier: 8/10)

Cast: 4/10
Score: 4/10
Screenplay: 4/10
Produktion: 6/10
FX: 4/10
Gore: 8/10
Synchro: schlecht (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Blutige Augen und Sodbrennen: 120%
  • Gedärm und Ekel als Selbstzweck: 90%
  • Matschbirnen: 70%

[ Die folgende Bewertung ist nicht final und bedarf einer Überarbeitung ]

Bewertung:

Es gibt gute und schlechte Zombiefilme.. und die Gore-Machwerke des Lucio Fulci, die stehts irgendwo dazwischen rangieren. "Ein Zombie hing am Glockenseil" gehört dabei nicht zu den schlechtesten Filmen Fulcis, die freilich nie die Klasse der Konkurenten Romero oder Giallo-Spezialist Argento erreichten, aber gerade in feucht-fröhlicher Runde oft durchaus zu unterhalten wissen. Das liegt nicht zuletzt am überoffensichtlichen Fokus auf drastische Ekelmomente, die sich auch dem cineastisch erfahrenen Betrachter ins Gedächtnis brennen; eine plausible Handlung oder andere (in Fulcis Augen scheinbar) inszenatorische Nebensächlichkeiten treten hingegen weit in den Hintergrund. Während so die nicht weiter erwähnenswerte Handlung von "Ein Zombie hing am Glockenseil" schnell vergessen ist, die Szene mit dem Werkbankbohrer wird in den Hirnwindungen des Filmfreundes stehts ein lauschiges Zuhause sein eigen nennen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Fulcis Werk oft auf diese Zombiefilme reduziert wird. Ich bin zwar kein besonderer Fulci-Kenner, aber ich mochte z.B. "Django - Sein Gesangbuch war der Colt" lieber als jeden seiner Zombiefilme. Nichts desto weniger gibt es auch hier wieder einige (visuelle) Spielereien und nette Einfälle, wenngleich "Ein Zombie hing am Glockenseil" weit konventioneller, aber auch gestraffter erzählt ist als "Über dem Jenseits" (Alternativtitel: "Die Geisterstadt der Zombies").

Fazit: Ohne im entferntesten mit Romeros Meisterwerk "Dawn of the Dead"(1978) konkurieren zu können, sei es in Produktion, Make-Up, Score, Cast oder Anspruch, gelingt Fulci hier doch immerhin ein gut unterhaltender und bluttriefender Zombiestreifen, der weit besser ist als das Gros an nächtlich reitenden, schwimmenden oder seilspringenden Leichen des Genres, seinem eigenen Kultstatus dabei aber nur mit Mühe gerecht wird.

5.5/10

Artverwandtes:
Dawn of the Dead
Day of the Dead
Woodoo - Schreckensinsel der Zombies
Großangriff der Zombies