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Montag, 21. November 2011

Review: The Thing (2011)

The Thing

Originaltitel:
The Thing

Produktionsland: USA
Jahr: 2011

Laufzeit: 102 Minuten
FSK-16

Regie: Matthijs van Heijningen Jr.

Cast: Mary Elizabeth Winstead, Joel Edgerton



Plot:
Eine Gruppe norwegischer Wissenschaftler macht in der Antarktis eine unerwartete und spektakuläre Entdeckung: Tief im Eis begraben schlummert ein offenbar vor langer Zeit gestrandetes Alien-Raumschiff und nicht weit entfernt findet sich sogar dessen glückloser Pilot, ebenfalls schön konserviert im ewigen Eis. Der Leiter der norwegischen Expedition ruft deshalb einen befreundeten amerikanischen Kollegen mitsamt zweier Assistenten als Unterstützung zu sich und gemeinsam soll das Alien geborgen werden - blöd nur, dass der extraterristrische Ötzi noch verdammt lebendig ist..


Kurzinhalt:
  • Schnee, Eis, Einsamkeit: 90%
  • Besucher aus dem All, groteske Körperverschmelzungen: 80%
  • Flammenwerfer: 95%

Bewertung:
The Thing ist ein Prequel zum gleichnamigen Carpenter Klassiker von 1982. Meine Erwartungen waren recht niedrig und beschwingt durch ein doch sehr positives Review in der Deadline wischte ich zunächst alle Vorbehalte beiseite. Zunächst. Denn nach spätestens einer dreiviertel Stunde wusste ich wieder, dass meine Vorbehalte nicht unbegründet waren. Zwar ist The Thing durchaus spannend und solide inszeniert. Und Logikflauten größer als das arktische Ozonloch sowie Charaktere ohne jegliche Tiefe - also wenn ich, selbst als Wissenschaftler, auf ein augenscheinlich noch intaktes, riesiges fucking Raumschiff stoßen würde, und dann liegt da auch noch ein monströses Alien rum - ich wär aber sowas von auf den Malediven oder anderswo, Wissenschaft-my-ass, echt jetzt - aber bei einem Horrorfilm: geschenkt.



Unverzeihlich ist aber das dermaßen verschenkte Potential. Die technisch durchaus gut gemachten Alienmutationen werden derart aufdringlich ins Bild gesetzt, dass jeder Grusel verloren geht. Man fühlt sich spontan wieder in die billigen Horrorfilme der 80er Jahre zurückversetzt, in denen es reichte, einem mittelmäßig begabten Schauspieler eine möglichst aufwendige Latexmaske aufs Gesicht zu setzen und schon hatte man einen Horrorfilm, hier nur eben mit CGI statt Latex. Alien hat schon 1979 gezeigt, wie man eine unheimliche Bedrohung inszeniert und auch Carpenters The Thing war weit unheimlicher, als dieser blutleere Aufguss.


Statt Grusel bedient sich van Heijningens Prequel zahlreicher lehrbuchmäßiger Cheap-Scares, die dermaßen lehrbuchmäßig sind, dass von "Scare" gar keine Rede mehr sein kann. Zudem ist auch das Timing des Schnitts manchmal dermaßen daneben (insbesondere in der Schlüssel-such-Szene), dass selbst der unbedarfteste Kinogänger sich kaum erschrecken dürfte. Dabei bietet gerade das Setting für einen Horrorfilm eine ideale Ausgangssituation: Die Isolation im Nirgendwo, das Abgeschnittensein von jeglicher Zivilisation, die allgegenwärtige Paranoia "Wer ist bereits ein Alien?", die klaustrophobischen Angstzustände des Gefangenseins in einer kleinen Forschungsstation, die Auswegslosigkeit.. all das wird vom Film zwar angerissen, aber so inkonsequent, dass einfach keine beklemmende Atmosphäre aufkommen will. Trotz eines ordentlichen Budgets von 35 Millionen Dollar wird man das Gefühl nicht los, dass hier lediglich "herunter gedreht" wurde und da hilft dann auch die niedliche Mary Elizabeth Winstead (Death Proof) als Eye-Candy nur wenig.


Es ist schon bezeichnend, dass die beste Szene des gesamten Films Teil des Abspanns ist, wenn sich zum bisher blass gebliebenen Score das Carpenter The Thing Theme reiht und mit wunderbar fatalistischem Grundton - quasi als Hommage - die Anfangsszene des 1982er Films gezeigt wird. Es geht doch - warum nicht früher so?

Fazit:
Als kurzweiliges Popcorn-Kino noch tauglich, als Horrorfilm und Prequel versagt The Thing aber auf ganzer Linie. Sobald die Heimkino VÖ ansteht auf Grund des stimmungsvollen Abspanns immerhin als Einstieg für einen abendlichen The Thing-Marathon in gemütlicher Runde geeignet.


6/10


Artverwandtes / Für Freunde von:
The Thing (1982)
Alien (1979)
Predator (1987)

Freitag, 23. Juli 2010

Review: Nightmares in Red, White and Blue


Nightmares in Red, White and Blue


Produktionsland: USA
Jahr: 2009 
Laufzeit: 96 Minuten
FSK-18


Regie: Andrew Monument
u.a. mit: John Carpenter, George A. Romero, Larry Cohen


Anspruch: 6/10
Unterhaltungswert: 8/10

Screenplay: 7/10
Produktion: 7/10
Synchro: ok (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)


Bewertung: Die Filmdoku Nightmares in Red, White and Blue umreisst die hundertjährige Geschichte des amerikanischen Horrorfilms, von den ersten, expressionistischen Gehversuchen im Stummfilm, über Monsterfilme, Tierhorror, Slasher - bis hin zum modernen Terror- und Torturehorror. (Ausländische Horrorfilme bleiben dabei jedoch aussen vor.) Jeder wichtige Meilenstein des Horrorgenres ist hierbei vertreten, zwischen den Filmvorstellungen kommen, ganz im üblichen Doku-Stil, namhafte Genreregisseure zu Wort und zudem wird die Entwicklung des Horrorfilms auch mit dem gesellschaftlichen Wandel in Bezug gesetzt.


Jedoch: gerade weil die Macher offensichtlich den Anspruch hatten, eine möglichst vollständige Horrorhistorie zu schaffen, bleibt leider der Eindruck, dass man nie über die Tiefe einer N-TV Flugzeugträger-Reportage hinauskommt. Es reiht sich Filmschnippsel an Filmschnippsel, dazwischen schwärmt ein Regisseur, wie sehr ihn der und der Film beeindruckt und beeinflusst hat und auch die Gesellschaftsreflexion des Horrorfilms lässt sich zwar nicht leugnen, wirkt aber manches mal auf Grund der mangelnden Analyse deplaziert und aufgesetzt. Eine umfangreiche Behandlung jedes einzelnen Films würde im Hinblick auf die Lauflänge natürlich schnell den Rahmen sprengen, eine kleinere Auswahl an kritisch betrachteten Filmen mit mehr Hintergrundinformationen wäre aber eine sinnvolle Alternative gewesen. Ebenso hätte ich mir mehr Informationen über die Entstehungsprozesse, die Produktion und Inszenierungskniffe gewünscht.



Trotzdem, Genrefreunde und besonders Horror-"Einsteiger", kommen hier ganz auf ihre Kosten und erfreuen sich an einer Zusammenfassung der Geschichte des Horrorfilms im Schnelldurchlauf - und nichts anderes will Nightmares in Red, White and Blue auch sein. Wie traumhaft wäre es, wenn sich nun ein paar Kenner vom Schlage eines Jörg Buttgereit und/oder Christian Keßler ebenfalls auf filmische Weise dem europäischen (und vorallem italienischen) Horrorfilm nähern würden!

Fazit: Alte Hasen erfahren hier zwar wenig neues, dafür gibt's recht interessante Interviews, jede Menge Nostalgie und fröhliche Erinnerungen - da lacht das Horrorherz! Mehr Tiefe und kritische Analyse und Nightmares in Red, White and Blue hätte das Zeug zu einem echten Doku-Knaller gehabt.

7/10

Sonntag, 6. Juni 2010

Kinoreview: Survival of the Dead


Survival of the Dead
Originaltitel:
Survival of the Dead

Produktionsland: USA
Jahr: 2009
Laufzeit: 86 Minuten
FSK-18
Regie: George A. Romero
Cast: Alan Spang, Kenneth Welsh, Kathleen Munroe

Plot: Die Zombie-Apokalypse hat die Welt in einen lebensfeindlichen Ort verwandelt, in dem sich nur noch einzelne, versprengte Gruppen von Überlebenden dem allgegenwärtigen Tod entgegenstellen. Eben eine jener Gruppen macht sich auf den Weg nach "Plum Island", einer Insel auf der es sich vergleichsweise ruhig leben lassen soll. Doch dort geraten sie nur zwischen die Fronten zweier, seit ewigen Zeiten verfeindeter Familienclans - und die bevorzugt Menschenfleisch löffelnden Untoten sind natürlich auch noch da.

Kurzinhalt:
  • Zombies: 75%
  • Western: 25%
  • Splatter & Gore: 8/10
  • Cowboyhüte: 70%
Bewertung: Da ist er nun, der neue Romero. Nachdem ich die ersten negativen Kritiken gelesen hatte, nahm ich mir vor, bei allem was sich um Survival of the Dead dreht, die Augen zu schließen und mir den Film nicht kaputtmachen zu lassen. Weitestgehend ist mir das auch gelungen und ich muss sagen: zum Glück!
Natürlich: Survival of the Dead erreicht weder Night of the living Dead, Dawn of the Dead, Day of the Dead und auch nicht Land of the Dead - aber zumindest mit letzterem spielt man immerhin in einer Liga. Durch den gelungenen Mix mit Western Elementen erreicht Romero es, auch hier wieder ein Unikat zu schaffen und lässt damit die (teils teuer produzierten) Genrekollegen der jüngeren Zeit peinlich alt aussehen.
Und auch wenn bei Survival of the Dead der Fokus weit weniger auf politischen und sozialkritischen Motiven liegt, als man es von Romero gewohnt sein mag, so sind diese dennoch unverkennbar und treffend. Was im Remake zu "The Crazies" nur mit Hängen und Würgen funktioniert, gelingt Romero scheinbar mit routinierter Leichtigkeit.



Wehrmutstropfen sind die teils arg offensichtlichen CGI-Einsätze, ebenso wie die nicht zündenden bzw. oftmals untergehenden komödiantischen Einlagen, der verhältnismässig hohe Gorefaktor kann darüber aber wieder hinwegtrösten. Die schauspielerischen Leistungen bestechen in erster Linie durch penetrantes Overacting, vorallem die übermässige pseudo-Coolness des von der Gruppe unterwegs aufgelesenen Jungspunds geht einfach nur auf die Eier. Verschenkt wurde auch einiges vom Potential eines Zombie-(Spät-)Western-Crossovers: Mit einem entsprechendem Score und den typischen Weitwinkelansichten - und warum auch nicht einigen italian shots? -  hätte noch einiges an cooler Atmosphäre geschaffen werden können - ganz ohne ermüdend markige Oneliner.


Fazit: Romero zeigt sich vielleicht nicht in Bestform, aber trotzdem ist Survival of the Dead ein spaßiger und einzigartiger Zombiestreifen geworden, der sich intelligenter und innovativer zeigt, als die schon traditionelle Namensgebung vermuten ließe. Denn trotz unübersehbarer inszenatorischer Schwächen schafft es Romero mit einer interessanten Konstellation von Charakteren und Interessensgruppen - auch wenn erstere zweidimensional bleiben - eine spannende Geschichte aufzutischen, die dem Genrefreund dank blutiger Beilagen auch nach mehrmaliger Verköstigung noch schmecken wird.


7/10


Artverwandtes / Für Freunde von:
Dawn of the Dead
Day of the Dead
Land of the Dead
Diary of the Dead
The Crazies
Shaun of the Dead

Externe Links:
Offizielle Webseite (inkl. Hi-Res Trailer, u.a.)

Samstag, 15. Mai 2010

Trailer: The Crazies (2010)

Das Remake von George A. Romeros Klassiker "The Crazies" (1973) steht in den Kino-Startlöchern, mehr als Anlass genug den gelungenen Trailer zu zeigen. Was ich bislang an Kritiken gelesen habe, lässt gutes hoffen. Vielfach - und insbesondere im aktuellen Deadline Magazin - wurde der Film sogar als besser als das original bezeichnet - ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Trailer ab!

Samstag, 6. Februar 2010

Review: Audition

Audition
Originaltitel: Ōdishon
Japan
Jahr: 1999
Laufzeit: 115 Minuten
FSK KJ

Regie: Takashi Miike

Genre: Horror/Thriller

Plot: Shigeharu Aoyama ist Witwer und alleinerziehender Vater eines Sohnes. Sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau sind beide der Meinung, dass es für ihn an der Zeit ist, sich eine neue Frau zu suchen. Ein Freund und Fernsehproduzent überredet Shigeharu zu diesem Zweck und unter dem Vorwand eines Fernsehcastings, ein Vorsprechen (Audition) zu veranstalten. Dabei lernt Shigeharu die junge und zerbrechlich wirkende Asami kennen und tatsächlich verlieben sich beide ineinander. Doch immer wieder tauchen Ungereimtheiten in Asamis Vergangenheit und Umwelt auf und schliesslich, mitten in der Nacht, ist Asami verschwunden..

Spannung: 8/10
Atmosphäre: 9/10
Action: 3/10
Humor: 2/10
Anspruch: 7/10
Unterhaltungswert: 8/10

Cast: 8/10
Score: -/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 8/10
FX: 5/10
Gore: 5/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Verstörende Traumsequenzen: 50%
  • Unerträgliches Knochenknirschen: 70%
  • Gefährliche Liebschaften: 100%

Bewertung: "Horror" ist als Genre für einen Film wie Audition zu restriktiv. Miike schafft es in Audition mit ruhigen Bildern den Horror subtil aufzubauen und erreicht dabei eine ganz andere Qualität als die meisten Genrevertreter. Und so mehren sich erst nach und nach die Ungereimtheiten, wenn Shigeharu Aoyama auf eigene Faust Nachforschungen anstellt und versucht, sich ein Bild von seiner neuen Geliebten zu machen. Zunächst sind es nur Andeutungen auf unheimliche und grausige Ereignisse, die sich jedoch später in albtraumhafte Sequenzen surrealer Farbgebung und Kameraperspektiven steigern. Wenn Asami schliesslich mit fast übernatürlicher Präsenz im Haus der Aoyamas zum blutigen und verstörend grausamen Finale startet, ist längst nicht mehr klar, was nun real ist und was eventuell nicht: Miike lässt geschickt die Möglichkeit offen, ob die grausigen Ereignisse nicht nur, aufgrund der widersprüchlichen und unheimlichen Vergangenheit Asamis, ein Albtraum Shigeharus sind oder furchtbare Wirklichkeit.


Fazit: Ich brauche gar nicht viel zu schreiben, denn ohne Zweifel: Audition ist Takashi Miikes Meisterwerk und einer der besten Filme der letzten zwanzig Jahre - für mich sogar einer der besten Filme, die jemals gedreht wurden. Audition ist subtiler Horror wie aus dem Lehrbuch, in jeder Hinsicht perfekt.

10/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
A Tale of two Sisters 
Shutter – Sie sind unter uns
Cure (Kyua)

Sonntag, 31. Januar 2010

Trailer: King Crab Attack

Weniges, was ich in letzter Zeit an Trailern gesehen habe, passt so gut in die Kategorie WTF wie King Crab Attack. Soweit ich das verstanden habe, ein 7 minütiger Kurzfilm - bei sieben Minuten Laufzeit und Riesenkrabben, das kann ja nur gut sein!



Ps: Mal wieder Dank an Christian und seinen unerschöpflichen Kuriositäten Fundus.

Samstag, 23. Januar 2010

Review: Shaun of the Dead

"Gehiiiiiiirrrrnnn...!!" - unbekannt
Shaun of the Dead
Originaltitel: Shaun of the Dead
GB
Jahr: 2004
Laufzeit: 95 Minuten
FSK 16

Regie: Edgar Wright
Cast: Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield

Genre: Horror/Komödie

Plot: Shaun, stramm auf die 30 zugehend, Verkäufer ohne berufliche Perspektive in einem Elektronikfachmarkt und von seinen weit jüngeren Kollegen verlacht, steht kurz vor dem Beziehungs-Aus. Denn seine Freundin ist mit diesem Leben noch weit unzufriedener als er selbst und besonders der Umstand, dass Shaun viel zu oft zur geistigen Zerstreuung ins Winchester, seinem Stammpub, einkehrt und mehr Zeit mit seinem geistig schon mehr als zerstreutem Mitbewohner Ed (obszön & stinkend faul) verbringt als mit ihr, ist der zwischenmenschlichen Harmonie wenig zuträglich. In dieser trostlosen Situation wimmelt es in London plötzlich vor Zombies Untoten, zuvor durch unheilvolle Vorzeichen bereits angekündigt, doch zunächst von Shaun, seinem Alltagstrott blind nachgehend, unbemerkt. Nun gilt es sich selbst und die Liebsten (und die, die man halt leider auch mitnehmen muss) zu retten, der (mittlerweile Ex-)Freundin klarzumachen, dass sich alles ändern wird und den sichersten Ort aufzusuchen, der einem auf die Schnelle in den Kopf kommt: das Winchester...

Spannung: 8/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 7/10
Humor: 9/10
Anspruch: 6/10
Unterhaltungswert: 9/10 (mit Bier: 10/10)

Cast: 8/10
Score: 7/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 8/10
FX: 6/10
Gore: 6/10
Synchro: ausgezeichnet (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Jein

Kurzinhalt:
  • Untote, Infizierte und das Wort mit Z: 100% 
  • britischer Humor: 100% 

Bewertung: Eins vorweg: Es ist mir unmöglich, bei diesem Film wirklich neutral zu sein und deshalb versuch ich das auch gar nicht erst. Ich habe „Shaun of the Dead“ mittlerweile mindestens 10-15 mal gesehen und dabei wird es vermutlich auch nicht bleiben. Warum? Weil Shaun of the Dead zu den besten Zombie - Filmen zählt, deren Genre er auf den ersten Blick parodiert. Aber nur auf den ersten, denn in Wirklichkeit ist SotD keine Parodie, sondern eine Hommage an den wohl besten Zombie – Film aller Zeiten, namentlich „Dawn of the Dead“ von 1978, sowie der anderen Werke George A. Romeros. Er zieht dabei die Eigenheiten dieser Filmgattung nicht ins Lächerliche, sondern spielt mit ihnen und ihren Klischees, beachtet dabei aber stets ihre ungeschriebenen Regeln oder führt sie bewusst vor.


SotD wirkt daher nie blödsinnig oder platt, was auch auf den unbestreitbaren Fokus auf die Charaktere und deren Beziehung untereinander, sowie dem unschlagbaren britischen Humor zurückzuführen ist. Während in anderen Produktionen keine Figurenkonstellation zu beliebig und austauschbar, kein Slapstick zu flach und keine Story zu gradlinig ist, ist bei Shaun of the Dead die Liebe zum Genre und zum großen Vorbild in jeder Szene allgegenwärtig. Das dürfte auch der Grund sein, warum sowohl Filmfan Tarantino als auch Romero selbst von SotD überaus angetan waren, Hauptdarsteller Simon Pegg und Regisseur hatten anschliessend sogar einen Cameo Auftritt in Romeros „Land of the Dead“(2005). In diesem spielt im übrigen auch Asia Argento, Tochter des italienischen Meisterregisseurs Dario Argento mit, aber dies nur am Rande.
Auch wenn es bei Shaun of the Dead nicht zimperlich zur Sache geht, hat es der Film, eben im Gegensatz zu einer reinen Parodie, nicht nötig, sich in übertriebener Gewaltdarstellung zu ergehen. Shaun of the Dead ist eigenständig und funktioniert auch auf einer anderen Ebene, der zwischenmenschlichen, besonders die der Beziehung zwischen Shaun und Liz, seiner Freundin/Ex-Freundin. Und nicht zuletzt das ist es auch, was Shaun of the Dead z.B. dem mäßigen, aber erfolgreichen „Zombieland“(2009) vorraus hat.


Fazit: Was soll ich noch sagen: Viel Liebe zum Detail, Romero - Zitate en masse, britische Situationskomik und eine im Genre unerreichte Gagdichte.. ach, was müh ich mir hier einen ab: besser als jeder Film des unsäglichen „Fun Splatter“-Genres, beste Horrorkomödie und einer der besten Zombiefilme aller Zeiten! Insbesondere für den anspruchsvolleren, entsprechend vorgebildeten Filmfreund mit eindeutiger Präferenz zu hirntoten Schlurfern und Schleichern gibt es keinen Weg vorbei an Shaun of the Dead.

10/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
Dawn of the Dead
The Return of the Living Dead
Braindead
Re-Animator
Tanz der Teufel 1-3
Land of the Dead

Sonntag, 18. Oktober 2009

Review: Bubba Ho-Tep

"So ziemlich jeder mag Bubba Ho-Tep..!" - Jeff in 'My Name is Bruce'

Bubba Ho-Tep
Originaltitel: Bubba Ho-Tep
USA
Jahr: 2002
Laufzeit: 92 Minuten
FSK 16

Regie: Don Coscarelli
Cast: Bruce Campbell, Ossie Davis (2005 leider verstorben)

Genre: Horror/Komödie

Plot: Elvis lebt! Verbittert vegetiert er in einem heruntergekommenen Altersheim vor sich hin, sein einziger Freund ist ausgerechnet John F. Kennedy, der davon überzeugt ist, dass er vom amerikanischen Geheimdienst schwarz eingefärbt - damit niemand ihn als den ehemaligen Präsidenten erkennt - und somit mundtot gemacht wurde. Auch Elvis wird für seinen eigenen Imitator gehalten und so ist klar, dass den beiden niemand Glauben schenken wird, als sie in den Gängen des Altersheims einer nächtlich mordenden Mumie auf die Spur kommen...

Spannung: 7/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 6/10
Humor: 9/10
Anspruch: 4/10
Unterhaltungswert: 8/10 (mit Bier: 9/10)

Cast: 8/10 (Bruce)
Score: 8/10
Screenplay: 7/10
Produktion: 7/10
FX: 5/10
Gore: 2/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Jein

Kurzinhalt:
  • Rollstuhl und Rollator Showdown: 80% 
  • Rentner und andere Mumien: 90% 
  • Bruce Campbell: 100%

Bewertung:

Die Story ist abstrus, die Effekte so naja, Blut gibt's auch keins, die Hauptcharaktere haben Mühe sich auf den Beinen zu halten und nicht wegzudösen, die böse Mumie trägt einen Cowboyhut.. also was haben wir hier? Ganz klar, den wohl besten Bruce Cambpell Film seit langem, wenn nicht überhaupt! Selten hat ein (recht neuer) Film so viel Charme an den Tag gelegt wie "Bubba Ho-Tep". Man muss die beiden Hauptcharaktere einfach mögen. Und so schlägt der Humor zwar oft unter die Gürtellinie, aber stets bleibt der Zuschauer in einer liebevollen Beziehung zu den beiden Anti-Helden, er lacht mehr mit ihnen als über sie und über allem liegt eine melancholische Grundstimmung, die vom fantastischen Score wunderbar mitgetragen wird. Bruce Campbell brilliert als zynischer, in inneren Monologen und Erinnerungen an alte Zeiten verlorener Elvis Presley, in seiner gewohnt übertrieben-hysterischen Art, vielleicht die beste Rolle, die er bisher gespielt hat.
"Bubba Ho-Tep" ist kein Actionreisser, kein Gore-Schocker, kein Thriller mit überraschenden Story-Kniffen.. es ist eine in seinen Grundelementen erstaunlich gewöhnliche Horrorkomödie: ungewöhnlich ist höchstens die ruhige Erzählweise, der Fokus auf seine Hauptcharaktere und, trotz vieler geeigneter Vorlagen, der Verzicht, diese ins Lächerliche zu ziehen und sie stattdessen ernst zu nehmen; erstaunlich ist vorallem, wie gut das alles funktioniert.

Fazit: Ein Bruce Campbell Film, wie man ihn sich wünscht - nein, sogar noch besser! 92 Minuten beste Unterhaltung, eine melancholiche Horrorkomödie, die einen mit einem angenehmen Gefühl zurücklässt. All is well!

9/10
Artverwandtes:
Armee der Finsternis
My Name is Bruce
Shaun of the Dead

Freitag, 2. Oktober 2009

Review: Ein Zombie hing am Glockenseil

"Der Mensch besteht aus Knochen, Fleisch, Blut, Speichel, Zellen und Eitelkeit."
- Kurt Tucholsky



Ein Zombie hing am Glockenseil 
/ City of the Living Dead
Originaltitel: Paura nella città dei morti viventi
Italien
Jahr: 1980
Laufzeit: 93 Minuten
FSK Indiziert & bundesweit beschlagnahmt

Regie: Lucio Fulci
Cast: Christopher George, Catriona MacColl

Genre: Horror (Zombie/Splatter/Gore)

Plot: Während einer Séance beobachtet ein Medium den Selbstmord eines Priesters und verstirbt unmittelbar danach augenscheinlich selbst. Die Leiterin dieser spiritistischen Sitzung vermutet daraufhin einen Zusammenhang zu einer alten Prophezeiung, nach der sich im Ort Dunwich nach dem Selbstmord eines Geistlichen die Toten aus den Gräbern erheben. Das doch nicht so tote Medium wird lebendig begraben, kann jedoch rechtzeitig von einem zufällig anwesenden Reporter befreit werden (und hat Glück dabei, nicht durch die vom Reporter mit vollem Eifer geschwungene Spitzhacke erschlagen zu werden). Beide machen sich daraufhin auf gen Dunwich, wo sich die unheilvolle Prophezeiung bereits zu erfüllen beginnt...

Spannung: 5/10
Atmosphäre: 4/10
Action: 5/10
Humor: 2/10
Anspruch: 1/10
Unterhaltungswert: 6/10 (mit Bier: 8/10)

Cast: 4/10
Score: 4/10
Screenplay: 4/10
Produktion: 6/10
FX: 4/10
Gore: 8/10
Synchro: schlecht (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Blutige Augen und Sodbrennen: 120%
  • Gedärm und Ekel als Selbstzweck: 90%
  • Matschbirnen: 70%

[ Die folgende Bewertung ist nicht final und bedarf einer Überarbeitung ]

Bewertung:

Es gibt gute und schlechte Zombiefilme.. und die Gore-Machwerke des Lucio Fulci, die stehts irgendwo dazwischen rangieren. "Ein Zombie hing am Glockenseil" gehört dabei nicht zu den schlechtesten Filmen Fulcis, die freilich nie die Klasse der Konkurenten Romero oder Giallo-Spezialist Argento erreichten, aber gerade in feucht-fröhlicher Runde oft durchaus zu unterhalten wissen. Das liegt nicht zuletzt am überoffensichtlichen Fokus auf drastische Ekelmomente, die sich auch dem cineastisch erfahrenen Betrachter ins Gedächtnis brennen; eine plausible Handlung oder andere (in Fulcis Augen scheinbar) inszenatorische Nebensächlichkeiten treten hingegen weit in den Hintergrund. Während so die nicht weiter erwähnenswerte Handlung von "Ein Zombie hing am Glockenseil" schnell vergessen ist, die Szene mit dem Werkbankbohrer wird in den Hirnwindungen des Filmfreundes stehts ein lauschiges Zuhause sein eigen nennen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Fulcis Werk oft auf diese Zombiefilme reduziert wird. Ich bin zwar kein besonderer Fulci-Kenner, aber ich mochte z.B. "Django - Sein Gesangbuch war der Colt" lieber als jeden seiner Zombiefilme. Nichts desto weniger gibt es auch hier wieder einige (visuelle) Spielereien und nette Einfälle, wenngleich "Ein Zombie hing am Glockenseil" weit konventioneller, aber auch gestraffter erzählt ist als "Über dem Jenseits" (Alternativtitel: "Die Geisterstadt der Zombies").

Fazit: Ohne im entferntesten mit Romeros Meisterwerk "Dawn of the Dead"(1978) konkurieren zu können, sei es in Produktion, Make-Up, Score, Cast oder Anspruch, gelingt Fulci hier doch immerhin ein gut unterhaltender und bluttriefender Zombiestreifen, der weit besser ist als das Gros an nächtlich reitenden, schwimmenden oder seilspringenden Leichen des Genres, seinem eigenen Kultstatus dabei aber nur mit Mühe gerecht wird.

5.5/10

Artverwandtes:
Dawn of the Dead
Day of the Dead
Woodoo - Schreckensinsel der Zombies
Großangriff der Zombies

Montag, 21. September 2009

(Kurz-)Review: Draculas Rückkehr

"Blut ist ein ganz besondrer Saft." - Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Vers 1740 / Mephistopheles


Draculas Rückkehr
Originaltitel: Dracula Has Risen from the Grave
Großbritannien
Jahr: 1968
Laufzeit: 92 Minuten
FSK 16

Regie: Freddie Francis
Cast: Christopher Lee, Rupert Davies
(leider ohne Peter Cushing)

Genre: Horror (Vampirfilm)

Plot: Irgendwo in Transsylvanien versetzt Graf Dracula die Landbevölkerung in Angst und Schrecken. Zwar soll der gefürchtete Vampir im Burggraben seines Schlosses ertränkt und damit unschädlich gemacht worden sein, doch das will niemanden so recht beruhigen. Der sich auf der Durchreise befindene Monsignore Ernst Müller will der gotteslästerlichen Situation ein Ende bereiten und begibt sich mit dem örtlichen Priester zum Schloss des Blutsaugers, um die Tore mit einem großen Kruzifix zu weihen und für Vampire unzugänglich zu machen. Während des Aufstiegs verletzt sich der schwächliche Dorfpriester unglücklich und Monsignore entschliesst sich dazu, allein das Schloss zu versiegeln und den Priester zurück ins Dorf zu schicken. Das Blut des verletzten Priesters gelangt jedoch in das Wasser des Burggrabens - und nährt so den geschwächten, doch keinesfalls toten Grafen Dracula. Dieser erstarkt zu alten Kräften und zeigt sich nicht gerade glücklich darüber, sein Schloss nicht mehr betreten zu können...

Spannung: 6/10
Atmosphäre: 5/10
Action: 4/10
Humor: 2/10
Anspruch: 3/10
Unterhaltungswert: 5/10 (mit Bier: 7/10)

Cast: 8/10
Score: 7/10
Screenplay: 5/10
Produktion: 8/10
FX: 3/10
Gore: 3/10
Synchro: ok (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Ja

Kurzinhalt:
  • Blutige Augen: 100%
  • Atemberaubende Dynamik: 0%
  • Kreuze, Knoblauch, Frömmigkeit: 80%
  • Grusel: 10%
  • Angeknabberte Fräulein: 80%

Fazit: Ein Klassiker der Hammer Studios, mit dem unerreichten Christopher Lee in seiner Paraderolle als beißfreudiger Frauenliebling und stimmig beleuchteten, tollen Kulissen.

6/10