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Montag, 21. November 2011

Review: The Thing (2011)

The Thing

Originaltitel:
The Thing

Produktionsland: USA
Jahr: 2011

Laufzeit: 102 Minuten
FSK-16

Regie: Matthijs van Heijningen Jr.

Cast: Mary Elizabeth Winstead, Joel Edgerton



Plot:
Eine Gruppe norwegischer Wissenschaftler macht in der Antarktis eine unerwartete und spektakuläre Entdeckung: Tief im Eis begraben schlummert ein offenbar vor langer Zeit gestrandetes Alien-Raumschiff und nicht weit entfernt findet sich sogar dessen glückloser Pilot, ebenfalls schön konserviert im ewigen Eis. Der Leiter der norwegischen Expedition ruft deshalb einen befreundeten amerikanischen Kollegen mitsamt zweier Assistenten als Unterstützung zu sich und gemeinsam soll das Alien geborgen werden - blöd nur, dass der extraterristrische Ötzi noch verdammt lebendig ist..


Kurzinhalt:
  • Schnee, Eis, Einsamkeit: 90%
  • Besucher aus dem All, groteske Körperverschmelzungen: 80%
  • Flammenwerfer: 95%

Bewertung:
The Thing ist ein Prequel zum gleichnamigen Carpenter Klassiker von 1982. Meine Erwartungen waren recht niedrig und beschwingt durch ein doch sehr positives Review in der Deadline wischte ich zunächst alle Vorbehalte beiseite. Zunächst. Denn nach spätestens einer dreiviertel Stunde wusste ich wieder, dass meine Vorbehalte nicht unbegründet waren. Zwar ist The Thing durchaus spannend und solide inszeniert. Und Logikflauten größer als das arktische Ozonloch sowie Charaktere ohne jegliche Tiefe - also wenn ich, selbst als Wissenschaftler, auf ein augenscheinlich noch intaktes, riesiges fucking Raumschiff stoßen würde, und dann liegt da auch noch ein monströses Alien rum - ich wär aber sowas von auf den Malediven oder anderswo, Wissenschaft-my-ass, echt jetzt - aber bei einem Horrorfilm: geschenkt.



Unverzeihlich ist aber das dermaßen verschenkte Potential. Die technisch durchaus gut gemachten Alienmutationen werden derart aufdringlich ins Bild gesetzt, dass jeder Grusel verloren geht. Man fühlt sich spontan wieder in die billigen Horrorfilme der 80er Jahre zurückversetzt, in denen es reichte, einem mittelmäßig begabten Schauspieler eine möglichst aufwendige Latexmaske aufs Gesicht zu setzen und schon hatte man einen Horrorfilm, hier nur eben mit CGI statt Latex. Alien hat schon 1979 gezeigt, wie man eine unheimliche Bedrohung inszeniert und auch Carpenters The Thing war weit unheimlicher, als dieser blutleere Aufguss.


Statt Grusel bedient sich van Heijningens Prequel zahlreicher lehrbuchmäßiger Cheap-Scares, die dermaßen lehrbuchmäßig sind, dass von "Scare" gar keine Rede mehr sein kann. Zudem ist auch das Timing des Schnitts manchmal dermaßen daneben (insbesondere in der Schlüssel-such-Szene), dass selbst der unbedarfteste Kinogänger sich kaum erschrecken dürfte. Dabei bietet gerade das Setting für einen Horrorfilm eine ideale Ausgangssituation: Die Isolation im Nirgendwo, das Abgeschnittensein von jeglicher Zivilisation, die allgegenwärtige Paranoia "Wer ist bereits ein Alien?", die klaustrophobischen Angstzustände des Gefangenseins in einer kleinen Forschungsstation, die Auswegslosigkeit.. all das wird vom Film zwar angerissen, aber so inkonsequent, dass einfach keine beklemmende Atmosphäre aufkommen will. Trotz eines ordentlichen Budgets von 35 Millionen Dollar wird man das Gefühl nicht los, dass hier lediglich "herunter gedreht" wurde und da hilft dann auch die niedliche Mary Elizabeth Winstead (Death Proof) als Eye-Candy nur wenig.


Es ist schon bezeichnend, dass die beste Szene des gesamten Films Teil des Abspanns ist, wenn sich zum bisher blass gebliebenen Score das Carpenter The Thing Theme reiht und mit wunderbar fatalistischem Grundton - quasi als Hommage - die Anfangsszene des 1982er Films gezeigt wird. Es geht doch - warum nicht früher so?

Fazit:
Als kurzweiliges Popcorn-Kino noch tauglich, als Horrorfilm und Prequel versagt The Thing aber auf ganzer Linie. Sobald die Heimkino VÖ ansteht auf Grund des stimmungsvollen Abspanns immerhin als Einstieg für einen abendlichen The Thing-Marathon in gemütlicher Runde geeignet.


6/10


Artverwandtes / Für Freunde von:
The Thing (1982)
Alien (1979)
Predator (1987)

Samstag, 24. Juli 2010

Review: OSS 117 - Er selbst ist sich genug

OSS 117: Er selbst ist sich genug
Originaltitel:
OSS 117: Rio ne répond plus

Produktionsland: Frankreich
Jahr: 2009
Laufzeit: 96 Minuten
FSK-12

Regie: Michel Hazanavicius
Cast: Jean Dujardin, Louise Monot

Plot: Geheimagent OSS 117 hat eine neue Mission: Frankreich will in den Besitz eines Mikrofilms gelangen, der eine Liste mit Nazikollaborateuren enthält. Diese ist in Besitz des ausgewanderten Nazischergen Professor von Zimmel, der dafür im Gegenzug 50.000 Franc verlangt. Klingt eigentlich nach einer einfachen Mission, doch wie so oft kommt alles anders und OSS 117 sieht sich schnell ziemlich planlos umgeben von Chinesen, Nazis, Hippies und dem Mossad.

Spannung: 7/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 8/10
Humor: 9/10
Anspruch: 6/10
Unterhaltungswert: 9/10

Cast: 9/10
Score: 8/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 8/10
FX: 7/10
Gore: 2/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Ja


Kurzinhalt:
  • Miniröcke, Smokings, starke Drinks: 65%
  • Agenten, harte Handkanten, MacGuffins 100%
  • Sean Connery à la française: 120%

Bewertung: OSS 117 ist sowas wie der französische James Bond - nur dass das erste Buch zu OSS 117 bereits 1949 entstand, Ian Fleming erfand seinen James Bond erst 1952. Die Filme wiederum orientierten sich klar am erfolgreichen Pendant aus Großbritanien - bis auf die letzten beiden, die nun klar den klassischen Agentenfilm (und James Bond insbesondere) aufs Korn nehmen. Doch während amerikanische Parodien, wie Top Secret!, Austin Powers usw. hauptsächlich auf Holzhammer-Slapstick setzen, geht OSS 117 - bei allen Albernheiten - doch einen etwas subtileren, doch bissigeren Weg und entlarvt den Agentenfilm als Spiegel des miefigen Weltbilds der 60er Jahre und westlicher Arroganz.


OSS 117 ist - Hand aufs Herz - ein chauvinistischer, überheblicher, egozentrischer, rassistischer, tendenziell antisemitischer und homophober Trottel - freilich ohne dass es ihm selbst bewusst sein würde. Und so stolpert OSS 117 von einer peinlichen Situation in die nächste, redet sich um Kopf und Kragen, nur um am Ende mehr oder minder zufällig doch noch die Kurve zu kriegen: Inspector Clouseau lässt schön grüßen.
Hauptdarsteller Jean Dujardin, der schon im ebenso tollen Vorgänger den Agenten miemen durfte, ist hierbei ein echter Glücksgriff, beherrscht er doch breites, Charme versprühendes Grinsen ebenso wie selbstgefälliges, weltmännisches Gebaren und die typischen James Bond Moves - und das besser als Sir Thomas Sean Connery himself!


Dabei gelingt ihm das Kunststück, trotz seiner zahlreichen menschlichen Verfehlungen immernoch sympathisch und "Identifikationsfigur" (falls man das so sagen kann) zu bleiben, was einem sonst auch den Spaß verdorben hätte.. Genauer genommen wächst einem die Figur des OSS 117 sogar schnell ans Herz, und deshalb hoffe ich auch inständigst, dass es (möglichst schnell) einen dritten Teil geben wird.
Hervorzuheben ist auch die fantastische Ausstattung, zusammen mit dem schön auf alt gefarbfilterten Bild gibt sich so tatsächlich der Eindruck, einen Agentenschinken aus den 60ern zu sehen (wer's zu "cheesy" findet, soll sich mal Gefahr: Diabolik! von Mario Bava anschaun). Der Score ist ebenso gelungen und für die Synchro, die auch ordentlich daneben hätte gehen können, zeichnet sich zum zweiten Mal Oliver Kalkofe aus, der hier einen äusserst guten Job getan hat.


Fazit: Eine urkomische Parodie auf die angestaubten Agentenfilme um James Bond und Co.! Hier passt alles zusammen, es gibt tolle Musik, Klamotten, Frisuren und schöne, knapp berockte Frauen, Schiessereien und und und.. Ich würde sagen "der bessere Austin Powers", wäre OSS 117 nicht so eindeutig um Längen besser, dass man Mike Myers überdrehten Klamauk am besten direkt vergessen sollte. Ganz klare Empfehlung!


8.5/10

(Die Trailer, die im Netz zu finden sind, sind nur halb so gut/lustig wie der eigentliche Film und deshalb gibt's hier diesmal auch keinen.)

Artverwandtes / Für Freunde von:
OSS 117: Der Spion, der sich liebte
James Bond: Goldfinger, Moonraker usw.
Casino Royale (1967)

Freitag, 23. Juli 2010

Review: Nightmares in Red, White and Blue


Nightmares in Red, White and Blue


Produktionsland: USA
Jahr: 2009 
Laufzeit: 96 Minuten
FSK-18


Regie: Andrew Monument
u.a. mit: John Carpenter, George A. Romero, Larry Cohen


Anspruch: 6/10
Unterhaltungswert: 8/10

Screenplay: 7/10
Produktion: 7/10
Synchro: ok (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)


Bewertung: Die Filmdoku Nightmares in Red, White and Blue umreisst die hundertjährige Geschichte des amerikanischen Horrorfilms, von den ersten, expressionistischen Gehversuchen im Stummfilm, über Monsterfilme, Tierhorror, Slasher - bis hin zum modernen Terror- und Torturehorror. (Ausländische Horrorfilme bleiben dabei jedoch aussen vor.) Jeder wichtige Meilenstein des Horrorgenres ist hierbei vertreten, zwischen den Filmvorstellungen kommen, ganz im üblichen Doku-Stil, namhafte Genreregisseure zu Wort und zudem wird die Entwicklung des Horrorfilms auch mit dem gesellschaftlichen Wandel in Bezug gesetzt.


Jedoch: gerade weil die Macher offensichtlich den Anspruch hatten, eine möglichst vollständige Horrorhistorie zu schaffen, bleibt leider der Eindruck, dass man nie über die Tiefe einer N-TV Flugzeugträger-Reportage hinauskommt. Es reiht sich Filmschnippsel an Filmschnippsel, dazwischen schwärmt ein Regisseur, wie sehr ihn der und der Film beeindruckt und beeinflusst hat und auch die Gesellschaftsreflexion des Horrorfilms lässt sich zwar nicht leugnen, wirkt aber manches mal auf Grund der mangelnden Analyse deplaziert und aufgesetzt. Eine umfangreiche Behandlung jedes einzelnen Films würde im Hinblick auf die Lauflänge natürlich schnell den Rahmen sprengen, eine kleinere Auswahl an kritisch betrachteten Filmen mit mehr Hintergrundinformationen wäre aber eine sinnvolle Alternative gewesen. Ebenso hätte ich mir mehr Informationen über die Entstehungsprozesse, die Produktion und Inszenierungskniffe gewünscht.



Trotzdem, Genrefreunde und besonders Horror-"Einsteiger", kommen hier ganz auf ihre Kosten und erfreuen sich an einer Zusammenfassung der Geschichte des Horrorfilms im Schnelldurchlauf - und nichts anderes will Nightmares in Red, White and Blue auch sein. Wie traumhaft wäre es, wenn sich nun ein paar Kenner vom Schlage eines Jörg Buttgereit und/oder Christian Keßler ebenfalls auf filmische Weise dem europäischen (und vorallem italienischen) Horrorfilm nähern würden!

Fazit: Alte Hasen erfahren hier zwar wenig neues, dafür gibt's recht interessante Interviews, jede Menge Nostalgie und fröhliche Erinnerungen - da lacht das Horrorherz! Mehr Tiefe und kritische Analyse und Nightmares in Red, White and Blue hätte das Zeug zu einem echten Doku-Knaller gehabt.

7/10

Sonntag, 6. Juni 2010

Kinoreview: Survival of the Dead


Survival of the Dead
Originaltitel:
Survival of the Dead

Produktionsland: USA
Jahr: 2009
Laufzeit: 86 Minuten
FSK-18
Regie: George A. Romero
Cast: Alan Spang, Kenneth Welsh, Kathleen Munroe

Plot: Die Zombie-Apokalypse hat die Welt in einen lebensfeindlichen Ort verwandelt, in dem sich nur noch einzelne, versprengte Gruppen von Überlebenden dem allgegenwärtigen Tod entgegenstellen. Eben eine jener Gruppen macht sich auf den Weg nach "Plum Island", einer Insel auf der es sich vergleichsweise ruhig leben lassen soll. Doch dort geraten sie nur zwischen die Fronten zweier, seit ewigen Zeiten verfeindeter Familienclans - und die bevorzugt Menschenfleisch löffelnden Untoten sind natürlich auch noch da.

Kurzinhalt:
  • Zombies: 75%
  • Western: 25%
  • Splatter & Gore: 8/10
  • Cowboyhüte: 70%
Bewertung: Da ist er nun, der neue Romero. Nachdem ich die ersten negativen Kritiken gelesen hatte, nahm ich mir vor, bei allem was sich um Survival of the Dead dreht, die Augen zu schließen und mir den Film nicht kaputtmachen zu lassen. Weitestgehend ist mir das auch gelungen und ich muss sagen: zum Glück!
Natürlich: Survival of the Dead erreicht weder Night of the living Dead, Dawn of the Dead, Day of the Dead und auch nicht Land of the Dead - aber zumindest mit letzterem spielt man immerhin in einer Liga. Durch den gelungenen Mix mit Western Elementen erreicht Romero es, auch hier wieder ein Unikat zu schaffen und lässt damit die (teils teuer produzierten) Genrekollegen der jüngeren Zeit peinlich alt aussehen.
Und auch wenn bei Survival of the Dead der Fokus weit weniger auf politischen und sozialkritischen Motiven liegt, als man es von Romero gewohnt sein mag, so sind diese dennoch unverkennbar und treffend. Was im Remake zu "The Crazies" nur mit Hängen und Würgen funktioniert, gelingt Romero scheinbar mit routinierter Leichtigkeit.



Wehrmutstropfen sind die teils arg offensichtlichen CGI-Einsätze, ebenso wie die nicht zündenden bzw. oftmals untergehenden komödiantischen Einlagen, der verhältnismässig hohe Gorefaktor kann darüber aber wieder hinwegtrösten. Die schauspielerischen Leistungen bestechen in erster Linie durch penetrantes Overacting, vorallem die übermässige pseudo-Coolness des von der Gruppe unterwegs aufgelesenen Jungspunds geht einfach nur auf die Eier. Verschenkt wurde auch einiges vom Potential eines Zombie-(Spät-)Western-Crossovers: Mit einem entsprechendem Score und den typischen Weitwinkelansichten - und warum auch nicht einigen italian shots? -  hätte noch einiges an cooler Atmosphäre geschaffen werden können - ganz ohne ermüdend markige Oneliner.


Fazit: Romero zeigt sich vielleicht nicht in Bestform, aber trotzdem ist Survival of the Dead ein spaßiger und einzigartiger Zombiestreifen geworden, der sich intelligenter und innovativer zeigt, als die schon traditionelle Namensgebung vermuten ließe. Denn trotz unübersehbarer inszenatorischer Schwächen schafft es Romero mit einer interessanten Konstellation von Charakteren und Interessensgruppen - auch wenn erstere zweidimensional bleiben - eine spannende Geschichte aufzutischen, die dem Genrefreund dank blutiger Beilagen auch nach mehrmaliger Verköstigung noch schmecken wird.


7/10


Artverwandtes / Für Freunde von:
Dawn of the Dead
Day of the Dead
Land of the Dead
Diary of the Dead
The Crazies
Shaun of the Dead

Externe Links:
Offizielle Webseite (inkl. Hi-Res Trailer, u.a.)

Freitag, 14. Mai 2010

Review: Der blutige Pfad Gottes 2

Der blutige Pfad Gottes 2
Originaltitel:
The Boondock Saints II:
All Saints Day

Produktionsland: USA
Jahr: 2009 
Laufzeit: 113 Minuten
SPIO/JK, bzw. FSK-18 (2 min 22 sek. geschnitten)

Regie: Troy Duffy
Cast: Norman Reedus, Sean Patrick Flanery, Bill Connolly, Julie Benz


Plot: Die MacManus Brüder (aka die "Saints") haben sich nach den Geschehnissen des ersten Teils in die einsamen Täler Irlands zurückgezogen und fristen dort Schafe hütend ein unspektakulär friedliches Dasein.. Bis zu jenem Tag an dem ihnen zugetragen wird, dass im heimischen Boston ein Priester grausam hingerichtet und dabei ihr eigenes "Gangster-Mord-Ritual" kopiert wurde. Jemand will also den Saints diesen feigen Mord in die Schuhe schieben und weder das, noch den Mord an einem Mann der Kirche im Allgemeinen können die beiden auf sich sitzen und unbeantwortet lassen. Also Koffer gepackt, die Reinhold-Messner-Matte gekürzt, schnell noch geduscht und ab zurück nach Boston, wo eine ganze Reihe zukünftiger Gangster-Leichen auf die beiden Brüder wartet.

Spannung: 7/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 8/10
Humor: 8/10
Anspruch: 4/10
Unterhaltungswert: 8/10

Cast: 9/10
Score: 8/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 8/10
FX: 6/10
Gore: 6/10
Synchro: ausgezeichnet (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Ja

Kurzinhalt:
  • Same Procedure As 10 Years Ago: 99%
  • Innovation: 1%
  • Gebrüder MacManus: 100%

Bewertung: Der blutige Pfad Gottes ist, im Gegensatz zu vielen Streifen, die diesen Titel schon vor der VÖ für sich beanspruchen, ein wirklicher Kultfilm. An den Kinokassen ein Flop, von der Kritik zerrissen (meist unter Bezeichnung als miese Tarantino-Kopie, diesen Vergleich verstehe wer will) und erst später in der Video/DVD Auswertung (vornehmlich bewirkt durch Mundpropaganda) wirklich erfolgreich - eben das, was einen Kultfilm charakterisiert und auch deutlich macht, warum z.B. Michael Bays Bad Boys KEIN Kultfilm ist.
Nun, immerhin zehn Jahre später, steht nach langer, langer Entwicklungsgeschichte also endlich der Nachfolger bereit, natürlich wieder mit den MacManus Brüdern und mit einem neuen Sidekick. Wie das bei Nachfolgern so ist, es hätte niemand ernsthaft geglaubt, dass The Boondock Saints II annähernd so grandios werden würde, wie der erste Teil. Und, um es gleich vorwegzunehmen: das ist er auch nicht.


Denn während Der blutige Pfad Gottes geschickt erzählt, konsequent und ideenreich inszeniert und in sich rumdum stimmig ist, so merkt man seinem Nachfolger doch deutlich an, dass hier versucht wurde einen "Fan-Pleaser" zu schaffen und überall noch einen drauf zu setzen - was dazu führt, dass sich der bodycount fast verdoppelt hat, in erster Linie kultige Elemente des ersten Teils recycelt wurden und der Film sich letztendlich doch über einige Strecken ein wenig schwerer tut, als man vermutet hätte. Schwer tut sich auch Julie Benz in ihrer Rolle als toughe Nachfolgerin von Agent Paul Smecker (Willem Dafoe) und in nicht wenigen Szenen wirkt sie wenig glaubwürdig. Natürlich, die betonte Ultracoolness und das damit Hand in Hand gehende Overacting sind durchaus beabsichtigt, dennoch schießt man hier mehr als einmal über's Ziel hinaus. Die Cowboyhut-Nummer in Slowmotion und besonders das in einer Traumsequenz vorgetragene "Manifest der Männlichkeit" (Zitat Troy Duffy), das Working-Class-Pride und "live fast - die young"-Attitüde glorifiziert, wirken deplaziert und fast schon ein wenig peinlich - letztere Szene ist laut Troy Duffy auch noch ernstgemeint.. naja.
Viel neues geboten wird hier ebenfalls nicht, der erste Teil wird von vorne bis hinten zitiert und kopiert und die Slowmotion Shootouts drohen stellenweise schon beinahe langweilig zu werden. Auch wenn es vorbildlich ist, die Action nicht in uninspirierten und unübersichtlich wilden Schnitten zu zeigen, wie es schon länger modern geworden ist: hier hätte man ab und wann mal auf die Zeitlupe verzichten können. Die Filme von John Woo zeigen eindrucksvoll wie man Zeitlupen und Sequenzen mit normaler Geschwindigkeit (sinnvoll) kombinieren und Cause und Effect in einem Bild zeigen kann.


Trotzdem: Während Matrix 2 und Matrix 3 den genialen ersten Teil wunderbar kaputtgemacht haben - so schlimm ist es hier dann doch nicht. Das liegt auch in erster Linie daran, dass Der blutige Pfad Gottes 2 auf einer ganz anderen Ebene funktioniert. Hier sind es vorallem die sympathischen und (hier wieder gut aufgelegten) Darsteller bzw. deren Charaktere, mit denen man am liebsten im nächsten Pub ein frisch gezapftes Stout stürzen möchte und die einem im ersten Teil bereits ans Herz gewachsen sind. (Was bei einem Matrix mit Keanuu Reeves natürlich nicht passieren kann.)
Fans des ersten Films freuen sich einfach, dass die Saints wieder da sind und sie freuen sich auch über jedes Wiedersehen mit jedem einzelnen Charakter, denn erfreulicherweise ist der gesamte Cast des Vorgängers wieder vertreten. Troy Duffy hat in erster Linie versucht, die Fans des ersten Teils zufriedenzustellen und, bei allen Schwächen, ist Der blutige Pfad Gottes 2 doch ein guter und spannender Film geworden, der nicht zuletzt durch seinen Humor und seine generellen Over-the-top-Darstellungen sehr unterhaltsam ist. Vorallem das Zusammenspiel von Reedus und Flanery, aber auch dem neuen Sidekick Romeo (Clifton Collins Jr.) sowie den wohlbekannten Detectives Greenly, Duffy und Dolly funktioniert hervorragend und trägt den halben Film.
Besonders zu empfehlen ist auch die englische Tonspur, zwar ist die deutsche Synchro spitze, trotzdem geht natürlich ein toller Akzent wie der vom Schotten Bill Connolly verloren.



Zur VÖ: Vorliegend ist die ungeschnittene DVD von Sony, mit dem Siegel "SPIO/JK: Keine schwere Jugendgefährdung". Dafür erstmal ein Dankeschön an Sony, es ist ja keine Selbstverständlichkeit mehr, Filme ungeschnitten in Deutschland rauszubringen (siehe Lone Wolf). Laut Coveraufdruck warten vier Stunden Bonusmaterial auf den geneigten Zuschauer, tatsächlich wurden hier aber z.B. Audiokommentare miteingerechnet. Wirklich interessant bleiben 35 Minuten Interviews und Behind-the-Scenes Material, die zwar in erster Linie die übliche "Der Dings ist so talentiert und der Bumms so liebenswert"-Schleim-Schiene fahren (*würg*), nebenbei aber einige interessante Anekdoten zum Dreh bereithalten.
Unbedingt abzuraten(!) ist von der geschnittenen FSK-18 Variante, hier fehlt einfach zu viel was den Film und seinen Vorgänger ausmacht. Finger weg!

Fazit: Fans des ersten Teils sind mehr als dankbar, auch wenn nicht die Klasse des ersten Teils erreicht wird. Wer schon mit dem ersten Teil nichts anfangen konnte, ist hier gänzlich falsch. Bleibt auf einen dritten Teil zu hoffen, der wieder etwas eigenständiger ist. The Saints are coming! .. aber hoffentlich nicht erst wieder in zehn weiteren Jahren.

8/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
Der blutige Pfad Gottes
Hard Boiled
Bube, Dame, König, grAs
Punisher: Warzone

Samstag, 13. März 2010

Review: Story of Ricky

Story of Ricky
aka Riki-Oh: The Story of Ricky


Originaltitel: Lik Wong
Hongkong / Japan
Jahr: 1991
Laufzeit: 87:44 Minuten (reale Lauflänge)
FSK 18, indiziert und beschlagnahmt.


Regie: Lam Ngai Kai 
Genre: Action/Eastern/Splatter/Martial Arts



Plot: In einer nahen Zukunft sieht selbige äußerst düster aus. Die Gefängnisse wurden privatisiert und werden wie Unternehmen geführt, gewinnorientiert und gnadenlos. In eines dieser Gefängnisse wird der junge Ricky gebracht: ein meisterlicher Qi-Gong Kämpfer mit übermenschlichen Kräften und nahezu unsterblich. Ricky hat eine Haftstrafe wegen Mordes abzusitzen: Er tötete den Drogendealer, der den Tod seiner Freundin verursachte. Im Gefängnis angekommen, gerät Ricky schon bald in den unmenschlichen Strudel der Gewalt und Unterdrückung. Um sich und die Schwachen zu schützen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich gegen sadistische Insassen, Macht-hungrige Wärter und die korrupte Gefängnisleitung zu stellen und deren Terror zu beenden.


Spannung: 6/10
Atmosphäre: 3/10
Action: 7/10
Humor: 6/10
Anspruch: 0/10
Unterhaltungswert: 7/10 (9/10 mit Bier und Freunden)

Cast: 3/10
Score: 3/10
Screenplay: 5/10
Produktion: 4/10
FX: 4/10
Gore: 9/10
Synchro: furchtbar-schlecht (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Flöten: 30%
  • Flöten-gehende Augäpfel: 3
  • Schauspielerische Leistung: 2,5 Promille
  • Blut und Gedärm : 100%

Bewertung: Die Manga-Adaption Story of Ricky hat es bestimmt nicht wegen seiner ausgefeilten Story zu einiger Bekanntheit gebracht. Vielmehr dürfte der Grund hierfür in seiner äußerst expliziten Gewaltdarstellung liegen, hier ist Story of Ricky so drastisch, wie man es oft nur vom Zombiefilm kennt: abgeschlagene Arme, Beine und Kopfhälften, herausploppende oder durchbohrte Augäpfel und zermanschte Fäuste und Kiefer, um nur ein paar Beispiele zu nennen. In der letzten Szene, dem Kampf zwischen Ricky und dem Gefängnisdirektor, wurde dem Gerücht nach so viel und dickflüssiges Kunstblut verwendet, dass Hauptdarsteller Siu-Wong Fan drei Tage brauchte, bis er es vollständig von der Haut gewaschen hatte.


Da wundert es wenig, dass Story of Ricky der erste nicht-pornographische Film war, der in Hongkong ein Category 3 Rating erhielt - was ein strenges Jugendverbot bedeutet und damit hierzulande ungefähr einer Indizierung entspräche. Wie, Siu-Wong Fan? Läutet's da nicht? Oder bei Lam Ngai Kai? Nein? Bei mir auch nicht. Der einzige Darsteller (oder sonstwie am Film Beteiligten), den ich kenne, ist der mittlerweile verstorbene Tetsurō Tamba, mir bekannt aus Takashi Miikes "The Happiness of the Katakuris", dem Italowestern "Die fünf Gefürchteten" und "James Bond: Man lebt nur zweimal". Macht aber auch nichts, denn die darstellerische Leistung ist hier durch die Bank furchtbar, Herrn Tamba mit eingeschlossen. Zudem ist einer der Kapos [die (Nazi-)Bezeichnung im Film für höher gestellte Gefängnisinsassen] deutlich erkennbar eine Frau, soll aber keine sein und wird mit einer total dämlichen männlichen Stimme synchronisiert.


Der musikalischen Untermalung merkt man ihre Synthie-Herkunft jeder Zeit an, besonders bei den "Chören", aber immerhin passt sie zum Geschehen und geht einem nicht auf den Zeiger. Die Splatter und Gore Szenen sind ebenso oftmals billig gemacht, aber effizient. In nicht wenigen Szenen (wie der "Brett-mit-Nagel vs. Auge" Szene) wird der bekannte Fehler Lucio Fulcis gemacht, die Kamera einfach zu lange drauf zuhalten, in anderen werden die eigentlich einfachen Tricks jedoch geschickt durch flotte Schnitte kaschiert. Auch wirken Location und Szenenbild leer und undurchdacht und es entsteht der Eindruck, man befände sich in einer stinknormalen Berufsschule anstatt in einem Hochsicherheitsgefängnis. Und warum sich dort Ricky und andere Gefangene manchmal selbst des Nachts frei bewegen dürfen, bleibt unklar, ebenso, warum Ricky nach kurzer Zeit eine solch enge Bindung zu seinen Mitgefangenen eingeht, dass er ein theatralisches "Aaaahhhh!" in den Regen brüllt.


Naja, "brüllt". Denn auf der mir vorliegenden VÖ von Laser Paradise (besondere Merkmale: schlechte bis mittelmäßige Bildqualität und peinliche Intro-/Logoanimationen, die nach nur einer halben Stunde Einarbeitungszeit in Cinema 4D oder Blender jeder genauso gut bzw. schlecht hinkriegt) ist leider nur die deutsche Tonspur vorhanden - und die ist so grauenhaft schlecht, dass sich einem die Fußnägel aufrollen. Wenn Ricky besagtes "Aaaahhhh!" oder auch mal ein "Ooohh!" zum Besten gibt, klingt das mehr nach allseits bekannten Situationen im Wartezimmer des örtlich-betäubenden Zahnarztes, als nach wirklicher Emotion - ganz so als habe der Schauspieler Hemmungen mit der Lautstärke die Nachbarn zu verärgern. Diese Momente gehören eindeutig in die Hall of Shame der gesamten Synchronisationshistorie.


Typisch für Eastern niedrigen Budgets dieser Zeit ist neben theaterhaftem Overacting der Darsteller auch die generelle Logikfreiheit der Dialoge. Letztere sind oft so zusammenhangslos und beliebig, dass man einfach nur den Kopf schütteln möchte. Nur hat man dazu überhaupt keine Zeit, denn schon kommt der nächste dicke Klops. Und das ist auch der Grund dafür, warum "Story of Ricky" erstaunlicherweise sogar funktioniert. Ständig passiert irgendwas, hier ein dämlicher Dialog, im nächsten Moment schon die nächste Splatter-Szene und das ganze eingefasst in einer haarsträubenden, erschreckend simplen und sinnfreien Story. Das macht "Story of Ricky" zum idealen Partyfilm, Hirn aus, Bier auf und darauf warten, dass die geladenen Freunde letzteres (und hoffentlich nur dieses) durch die Nase wieder ins Freie prusten.


Denn was hier geboten wird, ist wirklich zum Haare raufen, so viel unfreiwillige Komik in weniger als 90 Minuten hat man selten gesehen. Ricky wird durch einen Schnitt im Arm die Sehne durchtrennt? Kein Problem, Ricky hat eine beeindruckende Fähigkeit zur Regeneration und macht einfach einen Knoten rein. Die Augen mit Glassplittern zerfetzt? Einmal mit Wasser ausspülen, bitte. Der gegnerische Kapo sieht da keinen anderen Ausweg, als zu drastischen Mitteln zu greifen und versucht Ricky mit seinen eigenen Gedärmen, die er sich zuvor selbst aus dem Leib gezogen hat, zu erwürgen.


Zimperlich geht es hier wirklich nicht zur Sache, kein Wunder also, dass hierzulande der Film sowohl indiziert als auch beschlagnahmt wurde. Gerade diese bescheuert-blutrünstigen Szenen sind aber auch das, was den tiefschwarzen (unfreiwilligen) Witz des Films ausmacht und - so ironisch es klingt - die den Film erträglich werden lassen.

Fazit: Rein objektiv betrachtet könnte man "Story of Ricky" kaum mehr als 3/10 Punkten geben, aber wer will hier schon objektiv sein? "Story of Ricky" ist eine wahre Trashperle: bescheuert, sinnfrei und ultrabrutal, dabei aber auch kurzweilig und unterhaltsam, ein absoluter Partykracher für weniger empfindsame Filmfreunde.

7.5/10

Für Freunde von:
Ilsa - Haus ohne Männer
Zwei bärenstarke Typen

Donnerstag, 11. Februar 2010

Review: Ein superheisses Ding

Ein superheißes Ding
Originaltitel: Double Agent 73
USA
Jahr: 1974
Laufzeit: 74 Minuten
FSK 18

Regie: Doris Wishman
Genre: Agentenfilm / Erotik / Melodrama

Plot: Jane Tennay ist Geheimagentin. Ihr neuester Auftrag: Der Drogenbaron „Toplar“, von dem nicht mehr bekannt ist als sein Name und dass er eine Narbe hinter dem Ohr hat, muss aus dem Verkehr gezogen werden. Bisher war jeder Versuch dem Schuft auf die Schliche zu kommen wenig fruchtbar und hat nur zu jeder Menge nun toten Agenten geführt. Diese hatten allerdings auch nicht eine so enorme Oberweite wie Jane Tennay! Ihr wird nämlich für diesen Auftrag eine Kamera in die Brust implantiert, da es wesentlich unauffälliger ist, mit riesigen Brüsten herumzurennen und diese bei Bedarf zu entblößen, als eine furchtbar unhandliche Handkamera mitzuschleppen.
Janes Auftrag ist nun die Ermordung verschiedener Verdächtiger, die nach getaner Arbeit fotografiert werden sollen. Von den Fotos erhoffen sich Janes Arbeitgeber sachdienliche Hinweise, um auf die Spur von Oberschuft Toplar zu kommen. Doch haben sie, wie sich erst später rausstellt, auch für eine „Lebensversicherung“ gesorgt: Da, wenn Jane nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihren Auftrag ausgeführt hat und zurückgekehrt ist, anzunehmen ist, dass sie sich mit ihren sensiblen Fotos (in der Titte) in Gefangenschaft befindet, wurde ihr noch gleich eine Bombe mit dazu implantiert.. Oh man.

Spannung: 2/10
Atmosphäre: 1/10
Action: 2/10
Humor: 2/10
Anspruch: 0/10
Unterhaltungswert: 4/10 (6/10 mit Bier und Freunden)

Cast: 2/10
Score: 5/10
Screenplay: 3/10
Produktion: 3/10
FX: -/10
Gore: 1/10
Synchro: schlecht (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Brust-Fotoapparat: 100%
  • Brust-Bombe: 100%
  • Brust-Brust: 183%
Bewertung: Die 2002 verstorbene und für abstruse Filmideen bekannte Regie-Oma Doris Wishman [Info] war Autodidaktin und, soviel sei gesagt, das merkt man ihren Filmen auch deutlich an. Dilettantische Kameraschnitte und Dialoge, bei denen es einem die Schuhe auszieht, können bei Wishman, manchmal auch als „weiblicher Ed Wood“ bezeichnet, wohlwollend als Stilmittel betrachtet werden. Und so ist auch Double Agent 73, wie schon der Vorgänger (Titel: „Teuflische Brüste“, ich brech ab...), ein durch und durch bescheuertes Sexploitation-Machwerk, dessen hanebüchene Story einzig den Zweck hat, Hauptdarstellerin Chesty Morgan möglichst viel Gelegenheit zu geben, ihre monströsen Brüste auszupacken. Zum fotografieren wird schnell die Brust rausgeholt, der eine Arm gehoben, mit dem anderen die Brust gedrückt *squeeze* - und tada! Ebenso albern ist der originale Filmtitel: eine pubertäre Anspielung auf Morgans Brustumfang von 73 inch, was in etwa 183cm (Körbchengröße Korbgröße FF) entspricht - also durchaus gewaltig. Chesty Morgans schauspielerische Leistung tut dabei ihr übriges, sie ist entweder auf Droge oder schlafwandelt, genau lässt sich das nicht sagen. Aufgrund ihres starken polnischen Akzents wurde sie zudem nachsynchronisiert, was aber auch so kein unübliches Vorgehen Wishmans war – gerettet wird dadurch allerdings auch nichts mehr.


So etwas wie Erotik kommt an keiner Stelle auf (allein die Haare, gottohgott), die Story ist zum Heulen, von den Sets kriegt man Augenkrebs, die Schauspieler sind unterirdisch, ebenso wie Schnitt und Kamera - und zudem klaffen an allen Ecken und Enden derartige Logiklücken, dass man am liebsten in den Tisch beißen oder seinem Sitznachbarn eine runterhauen möchte, einfach so. Ein Beispiel: eine der Zielpersonen ist gerade mit seiner Freundin/Gespielin/whatsoever zu Gange. Diese verschwindet kurz ins Bad und Jane schleicht sich, die Brüste mit Gift bepinselt, zu dem Ahnungslosen ins Bett, ihm ihren Busen ins Gesicht drückend. Dass seine angebliche Freundin nun ungefähr 10-20 mal größere Eumel hat als vorher, bemerkt er natürlich nicht, und so beginnt er liebestoll damit, die Giftbojen abzuküssen. Männer halt.

Fazit: Ein Muss für Exploitation Fans, eine Bereicherung für Filmfreunde, für alle anderen immerhin eine „Erfahrung“. Gut macht dieser Film eigentlich überhaupt nichts, in größeren Runden mit der richtigen Einstellung und ein, zwei, fünfzehn Bierchen ist „Ein superheisses Ding“ aber immer für ein paar Lacher gut!

3.5/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
Teuflische Brüste (orig. Deadly Weapons)

Samstag, 6. Februar 2010

Review: Audition

Audition
Originaltitel: Ōdishon
Japan
Jahr: 1999
Laufzeit: 115 Minuten
FSK KJ

Regie: Takashi Miike

Genre: Horror/Thriller

Plot: Shigeharu Aoyama ist Witwer und alleinerziehender Vater eines Sohnes. Sieben Jahre nach dem Tod seiner Frau sind beide der Meinung, dass es für ihn an der Zeit ist, sich eine neue Frau zu suchen. Ein Freund und Fernsehproduzent überredet Shigeharu zu diesem Zweck und unter dem Vorwand eines Fernsehcastings, ein Vorsprechen (Audition) zu veranstalten. Dabei lernt Shigeharu die junge und zerbrechlich wirkende Asami kennen und tatsächlich verlieben sich beide ineinander. Doch immer wieder tauchen Ungereimtheiten in Asamis Vergangenheit und Umwelt auf und schliesslich, mitten in der Nacht, ist Asami verschwunden..

Spannung: 8/10
Atmosphäre: 9/10
Action: 3/10
Humor: 2/10
Anspruch: 7/10
Unterhaltungswert: 8/10

Cast: 8/10
Score: -/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 8/10
FX: 5/10
Gore: 5/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Verstörende Traumsequenzen: 50%
  • Unerträgliches Knochenknirschen: 70%
  • Gefährliche Liebschaften: 100%

Bewertung: "Horror" ist als Genre für einen Film wie Audition zu restriktiv. Miike schafft es in Audition mit ruhigen Bildern den Horror subtil aufzubauen und erreicht dabei eine ganz andere Qualität als die meisten Genrevertreter. Und so mehren sich erst nach und nach die Ungereimtheiten, wenn Shigeharu Aoyama auf eigene Faust Nachforschungen anstellt und versucht, sich ein Bild von seiner neuen Geliebten zu machen. Zunächst sind es nur Andeutungen auf unheimliche und grausige Ereignisse, die sich jedoch später in albtraumhafte Sequenzen surrealer Farbgebung und Kameraperspektiven steigern. Wenn Asami schliesslich mit fast übernatürlicher Präsenz im Haus der Aoyamas zum blutigen und verstörend grausamen Finale startet, ist längst nicht mehr klar, was nun real ist und was eventuell nicht: Miike lässt geschickt die Möglichkeit offen, ob die grausigen Ereignisse nicht nur, aufgrund der widersprüchlichen und unheimlichen Vergangenheit Asamis, ein Albtraum Shigeharus sind oder furchtbare Wirklichkeit.


Fazit: Ich brauche gar nicht viel zu schreiben, denn ohne Zweifel: Audition ist Takashi Miikes Meisterwerk und einer der besten Filme der letzten zwanzig Jahre - für mich sogar einer der besten Filme, die jemals gedreht wurden. Audition ist subtiler Horror wie aus dem Lehrbuch, in jeder Hinsicht perfekt.

10/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
A Tale of two Sisters 
Shutter – Sie sind unter uns
Cure (Kyua)

Review: Izo

Izo
Originaltitel: Izo
Japan
Jahr: 2004
Laufzeit: 123 Minuten
FSK KJ

Regie: Takashi Miike
Cast: in einer Gastrolle: Takeshi Kitano

Genre: Tragödie

Plot: Im feudalen Japan wird der Massenmörder Izo öffentlich hingerichtet. Doch seine von Hass zerfressene Seele findet keine Ruhe und so reinkarniert bzw. fällt Izo buchstäblich fortan durch den Strudel der Epochen, metzelt sich, zerrissen von Trauer und Hass, durch nicht endenwollende Gegnerhorden, kämpft verbissen gegen jede Obrigkeit und fordert schlussendlich sogar Gott heraus.

Spannung: 6/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 6/10
Humor: 2/10
Anspruch: 7/10
Unterhaltungswert: 6/10

Cast: 7/10
Score: -/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 7/10
FX: 5/10
Gore: 6/10
Synchro: mäßig (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Philosophisches Zeitreisen und Köpfe abschlagen: 100%
  • Spannungsbögen: 0% 
  • Was-zum-Teufel-passiert-hier?: 100%

Bewertung: Takashi Miikes "Izo" als Splatter abzutun, wird dem Film nicht gerecht. Die ausufernde Gewalt ist hier mehr als nur dem Selbstzweck dienlich, sie dient nicht nur der Geschichte und illustriert sie, sie IST die Geschichte. Izo, der personifizierte Hass, wird wieder und wieder geboren, stets getrieben von Trauer und Schmerz. Auf seiner Reise verpasst er schliesslich seine Chance auf Erlösung, verliert den letzten Rest alles menschlichen, wird zu einer Art Dämon und setzt sich über alle Naturgesetze hinweg um sich schliesslich sogar gegen Gott aufzulehnen. Miike verzichtet dabei weitestgehend sowohl auf einen roten Faden als auch auf einen Spannungsbogen. Gerade die ruhigen Szenen ziehen sich dabei äusserst oft in die Länge und strapazieren die Geduld des Zuschauers, der immerhin, trotz geringen Budgets und einfachen Mitteln, mit teilweise wunderschönen und stimmungsvollen Bildkompositionen verwöhnt wird. Mir fehlte aber auch ein wenig die Tiefe: gerade bei der recht langen Laufzeit und den vielen, scheinbar sinnlos aneinander gereihten Sequenzen und dem fehlenden Spannungsbogen, wirkt Izo schnell (und ungerechtfertigt) oberflächlich und es drängt sich unmittelbar das Adjektiv "pseudophilosophisch" auf: die "Hauptidee" ist schnell ausgemacht und vieles drumherum wirkt oft aufgesetzt - und das hat Izo nicht verdient. Denn tatsächlich wird hier eine grandiose Geschichte erzählt, die existenzieller kaum sein könnte und an die großen Tragödien erinnert. Etwas Gefühl für Dramaturgie oder 20 Minuten weniger, Takashi Miike hätte es in der Hand gehabt, seinen Film zugänglicher zu machen, aber das lag wohl auch gar nicht in seiner Absicht. Schade, denn so wird er auch manchem durchaus gewillten Zuschauer zu unbequem.



Fazit: Izo ist kein Metzelfilm, sondern nicht weniger als ein episches Gleichnis. Wenn also das oben Geschriebene zu negativ für die Punktwertung klingt, dann liegt es einzig daran, dass ich mich nicht so für Izo begeistern kann, wie ich es gerne würde. Für mich war Miikes Izo auf gutem Weg ein großes Werk der Filmkunst zu werden und scheiterte dann doch. Grandios und doppelbödig bebildert, kann er mich doch als Film nicht ganz überzeugen, denn die eigentlich interessante Geschichte zieht sich durch unnötig viele Filmminuten und verliert schnell an Reiz. Trotzdem ist Izo ein guter Film, wenn auch nicht für Jederman.

7.5/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
Zatoichi
Visitor-Q
Hana-Bi

Samstag, 23. Januar 2010

Review: Shaun of the Dead

"Gehiiiiiiirrrrnnn...!!" - unbekannt
Shaun of the Dead
Originaltitel: Shaun of the Dead
GB
Jahr: 2004
Laufzeit: 95 Minuten
FSK 16

Regie: Edgar Wright
Cast: Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield

Genre: Horror/Komödie

Plot: Shaun, stramm auf die 30 zugehend, Verkäufer ohne berufliche Perspektive in einem Elektronikfachmarkt und von seinen weit jüngeren Kollegen verlacht, steht kurz vor dem Beziehungs-Aus. Denn seine Freundin ist mit diesem Leben noch weit unzufriedener als er selbst und besonders der Umstand, dass Shaun viel zu oft zur geistigen Zerstreuung ins Winchester, seinem Stammpub, einkehrt und mehr Zeit mit seinem geistig schon mehr als zerstreutem Mitbewohner Ed (obszön & stinkend faul) verbringt als mit ihr, ist der zwischenmenschlichen Harmonie wenig zuträglich. In dieser trostlosen Situation wimmelt es in London plötzlich vor Zombies Untoten, zuvor durch unheilvolle Vorzeichen bereits angekündigt, doch zunächst von Shaun, seinem Alltagstrott blind nachgehend, unbemerkt. Nun gilt es sich selbst und die Liebsten (und die, die man halt leider auch mitnehmen muss) zu retten, der (mittlerweile Ex-)Freundin klarzumachen, dass sich alles ändern wird und den sichersten Ort aufzusuchen, der einem auf die Schnelle in den Kopf kommt: das Winchester...

Spannung: 8/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 7/10
Humor: 9/10
Anspruch: 6/10
Unterhaltungswert: 9/10 (mit Bier: 10/10)

Cast: 8/10
Score: 7/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 8/10
FX: 6/10
Gore: 6/10
Synchro: ausgezeichnet (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Jein

Kurzinhalt:
  • Untote, Infizierte und das Wort mit Z: 100% 
  • britischer Humor: 100% 

Bewertung: Eins vorweg: Es ist mir unmöglich, bei diesem Film wirklich neutral zu sein und deshalb versuch ich das auch gar nicht erst. Ich habe „Shaun of the Dead“ mittlerweile mindestens 10-15 mal gesehen und dabei wird es vermutlich auch nicht bleiben. Warum? Weil Shaun of the Dead zu den besten Zombie - Filmen zählt, deren Genre er auf den ersten Blick parodiert. Aber nur auf den ersten, denn in Wirklichkeit ist SotD keine Parodie, sondern eine Hommage an den wohl besten Zombie – Film aller Zeiten, namentlich „Dawn of the Dead“ von 1978, sowie der anderen Werke George A. Romeros. Er zieht dabei die Eigenheiten dieser Filmgattung nicht ins Lächerliche, sondern spielt mit ihnen und ihren Klischees, beachtet dabei aber stets ihre ungeschriebenen Regeln oder führt sie bewusst vor.


SotD wirkt daher nie blödsinnig oder platt, was auch auf den unbestreitbaren Fokus auf die Charaktere und deren Beziehung untereinander, sowie dem unschlagbaren britischen Humor zurückzuführen ist. Während in anderen Produktionen keine Figurenkonstellation zu beliebig und austauschbar, kein Slapstick zu flach und keine Story zu gradlinig ist, ist bei Shaun of the Dead die Liebe zum Genre und zum großen Vorbild in jeder Szene allgegenwärtig. Das dürfte auch der Grund sein, warum sowohl Filmfan Tarantino als auch Romero selbst von SotD überaus angetan waren, Hauptdarsteller Simon Pegg und Regisseur hatten anschliessend sogar einen Cameo Auftritt in Romeros „Land of the Dead“(2005). In diesem spielt im übrigen auch Asia Argento, Tochter des italienischen Meisterregisseurs Dario Argento mit, aber dies nur am Rande.
Auch wenn es bei Shaun of the Dead nicht zimperlich zur Sache geht, hat es der Film, eben im Gegensatz zu einer reinen Parodie, nicht nötig, sich in übertriebener Gewaltdarstellung zu ergehen. Shaun of the Dead ist eigenständig und funktioniert auch auf einer anderen Ebene, der zwischenmenschlichen, besonders die der Beziehung zwischen Shaun und Liz, seiner Freundin/Ex-Freundin. Und nicht zuletzt das ist es auch, was Shaun of the Dead z.B. dem mäßigen, aber erfolgreichen „Zombieland“(2009) vorraus hat.


Fazit: Was soll ich noch sagen: Viel Liebe zum Detail, Romero - Zitate en masse, britische Situationskomik und eine im Genre unerreichte Gagdichte.. ach, was müh ich mir hier einen ab: besser als jeder Film des unsäglichen „Fun Splatter“-Genres, beste Horrorkomödie und einer der besten Zombiefilme aller Zeiten! Insbesondere für den anspruchsvolleren, entsprechend vorgebildeten Filmfreund mit eindeutiger Präferenz zu hirntoten Schlurfern und Schleichern gibt es keinen Weg vorbei an Shaun of the Dead.

10/10

Artverwandtes / Für Freunde von:
Dawn of the Dead
The Return of the Living Dead
Braindead
Re-Animator
Tanz der Teufel 1-3
Land of the Dead

Sonntag, 18. Oktober 2009

Review: Bubba Ho-Tep

"So ziemlich jeder mag Bubba Ho-Tep..!" - Jeff in 'My Name is Bruce'

Bubba Ho-Tep
Originaltitel: Bubba Ho-Tep
USA
Jahr: 2002
Laufzeit: 92 Minuten
FSK 16

Regie: Don Coscarelli
Cast: Bruce Campbell, Ossie Davis (2005 leider verstorben)

Genre: Horror/Komödie

Plot: Elvis lebt! Verbittert vegetiert er in einem heruntergekommenen Altersheim vor sich hin, sein einziger Freund ist ausgerechnet John F. Kennedy, der davon überzeugt ist, dass er vom amerikanischen Geheimdienst schwarz eingefärbt - damit niemand ihn als den ehemaligen Präsidenten erkennt - und somit mundtot gemacht wurde. Auch Elvis wird für seinen eigenen Imitator gehalten und so ist klar, dass den beiden niemand Glauben schenken wird, als sie in den Gängen des Altersheims einer nächtlich mordenden Mumie auf die Spur kommen...

Spannung: 7/10
Atmosphäre: 7/10
Action: 6/10
Humor: 9/10
Anspruch: 4/10
Unterhaltungswert: 8/10 (mit Bier: 9/10)

Cast: 8/10 (Bruce)
Score: 8/10
Screenplay: 7/10
Produktion: 7/10
FX: 5/10
Gore: 2/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Jein

Kurzinhalt:
  • Rollstuhl und Rollator Showdown: 80% 
  • Rentner und andere Mumien: 90% 
  • Bruce Campbell: 100%

Bewertung:

Die Story ist abstrus, die Effekte so naja, Blut gibt's auch keins, die Hauptcharaktere haben Mühe sich auf den Beinen zu halten und nicht wegzudösen, die böse Mumie trägt einen Cowboyhut.. also was haben wir hier? Ganz klar, den wohl besten Bruce Cambpell Film seit langem, wenn nicht überhaupt! Selten hat ein (recht neuer) Film so viel Charme an den Tag gelegt wie "Bubba Ho-Tep". Man muss die beiden Hauptcharaktere einfach mögen. Und so schlägt der Humor zwar oft unter die Gürtellinie, aber stets bleibt der Zuschauer in einer liebevollen Beziehung zu den beiden Anti-Helden, er lacht mehr mit ihnen als über sie und über allem liegt eine melancholische Grundstimmung, die vom fantastischen Score wunderbar mitgetragen wird. Bruce Campbell brilliert als zynischer, in inneren Monologen und Erinnerungen an alte Zeiten verlorener Elvis Presley, in seiner gewohnt übertrieben-hysterischen Art, vielleicht die beste Rolle, die er bisher gespielt hat.
"Bubba Ho-Tep" ist kein Actionreisser, kein Gore-Schocker, kein Thriller mit überraschenden Story-Kniffen.. es ist eine in seinen Grundelementen erstaunlich gewöhnliche Horrorkomödie: ungewöhnlich ist höchstens die ruhige Erzählweise, der Fokus auf seine Hauptcharaktere und, trotz vieler geeigneter Vorlagen, der Verzicht, diese ins Lächerliche zu ziehen und sie stattdessen ernst zu nehmen; erstaunlich ist vorallem, wie gut das alles funktioniert.

Fazit: Ein Bruce Campbell Film, wie man ihn sich wünscht - nein, sogar noch besser! 92 Minuten beste Unterhaltung, eine melancholiche Horrorkomödie, die einen mit einem angenehmen Gefühl zurücklässt. All is well!

9/10
Artverwandtes:
Armee der Finsternis
My Name is Bruce
Shaun of the Dead

Freitag, 9. Oktober 2009

Review: Sukiyaki Western: Django


Sukiyaki Western: Django
Originaltitel: Sukiyaki Uesutan Jango
Japan
Jahr: 2007
Laufzeit: 94 Minuten
FSK 18

Regie: Takashi Miike

Genre: Western/Eastern/Komödie

Plot: Im beschaulichen Dorf Yuta stehen sich der Genji und der Heike Clan gegenüber, beide bis auf's Blut verfeindet, beide wollen sie den Goldschatz des Dorfes finden, um dessen Existenz sich zahlreiche Legenden ranken... sehr zum Leidwesen der Dorfbewohner, von denen die meisten mittlerweile geflohen sind. Mit dem plötzlichen Auftauchen eines unbekannten Fremden kommt wieder Bewegung in die festgefahrenen Frontlinien..

Spannung: 7/10
Atmosphäre: 4/10
Action: 7/10
Humor: 6/10
Anspruch: 5/10
Unterhaltungswert: 7/10

Cast: 6/10
Score: 4/10
Screenplay: 7/10
Produktion: 7/10
FX: 5/10
Gore: 3/10
Synchro: ok (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein


Kurzinhalt:
  • Särge mit Miniguns und andere Anspielungen: 100%
  • Mit Bogen schiessen: 0%
  • Im Bogen schiessen: 100%

Bewertung:

Tarantinos „Kill Bill Volume 1“ war die westliche Ehrung des Eastern, Miike geht nun gewissermaßen in die entgegengesetzte Richtung. Der Spaghetti Western wird zum fernöstlichen Sukiyaki* Western (*Eintopfgericht der japanischen Küche).
Ich mag Miike. Und ich mag Tarantino. Aber schon mit Kill Bill Volume 1 konnte ich nichts anfangen, der in meinen Augen schlechteste Film von Tarantino, vermutlich gerade weil ich ein großer Fan von Eastern bin. Auch Miikes Beitrag zum Eastern-Western-Mix will bei mir nicht so recht zünden. Dabei macht Miike vieles richtig und ist dabei ähnlich zitierwütig wie Kollege Tarantino, der natürlich bei einer Django Homage nicht fehlen darf und eine kleine Gastrolle spendiert bekam. Eine Minigun, die in einem Sarg gezogen wird, zwei verfeindete Clans, ein Goldschatz.. dasselbe Kreuz wie im Finale von Django segelt durch die Luft in den Rücken eines Schufts. Die Bezüge zum großen Vorbild sind eindeutig, wenn sich auch vieles wie z.B. der Rassismus im Vergleich zu „Django“ eher abstrakt darstellt. Und es gibt wohl noch eine Vielzahl Zitate, die mir nicht aufgefallen sind, die für mich aber auch bei einem Film nicht mehr als schmückendes Beiwerk sein können.
Die Miike-typischen verrückten Ideen sind da, die Bilder sind teils toll, leiden aber oft unter merkwürdigen Farbfiltern. Die Schnitte sind gelungen, die Schiessereien und die Story sind ok, manche Gags sind wirklich zum kaputtlachen (leider zu selten), soweit so gut. Aber es will einfach keine Western Atmosphäre entstehen, es will irgendwie überhaupt keine rechte Atmosphäre entstehen. Die Charaktere bleiben eindimensional und uninteressant. Und auch ein absoluter Atmosphäre-killer: Computeranimierte Mündungsfeuer! Sowas geht in Deadly Outlaw Rekka, aber nicht in einem Western, hier geht es um Rauch, Staub, Blut und Schweiß. Sukiyaki Western: Django erscheint mehr durchgestylt als räudig, schmutzig, antstößig.. Und so offenbart sich das Hauptproblem des Films: Miikes Western ist zu wenig Western um noch als solcher erkennbar zu sein. Fans des Italo Westerns werden Sukiyaki Western: Django als inkonsequent betrachten, als einen Klassiker zitierenden Eastern mit Cowboyhut. Und solche, die mit Western nichts anfangen können, werden mit dem Sukiyaki Western ohnehin auch nicht glücklich.

Fazit: „Sukiyaki Western: Django“ ist beileibe kein schlechter Film und kann durchaus unterhalten, aber leider bleibt er trotz interessanter Ideen weit hinter den Erwartungen zurück. Mit Bier und Freunden ist Miikes Werk ein gut inszenierter Actionfilm und Genrekenner freuen sich über das ein oder andere Zitat.

Auf keinen Fall sollte man sich im Übrigen die original Tonspur auf englisch antun, denn selbst Muttersprachler verstehen bei dem Kauderwelsch der japanischen Darsteller wenig.

6.5/10
Artverwandtes:
Kill Bill Vol. 1
Kill Bill Vol. 2

Samstag, 3. Oktober 2009

Review: Menschenfeind

"Erst kommt das Fressen, dann die Moral." - Bertolt Brecht


Menschenfeind
Originaltitel: Seul contre tous
Frankreich
Jahr: 1998
Laufzeit: 89 Minuten
FSK 18

Regie: Gaspar Noé

Genre: Spielfilm (Drama)

Plot: "Menschenfeind" erzählt die Geschichte eines Mannes, dem das Leben stets hart mitgespielt hat. Als Kind von einem Geistlichen sexuell missbraucht, später von der Frau allein mit seiner Tochter zurückgelassen, tötet er beinahe einen (gänzlich unschuldigen) Bauarbeiter, als er denkt, dieser habe seine Tochter vergewaltigt. Als er aus dem Gefängnis kommt, will er mit der von ihm schwangeren, aber ungeliebten neuen Frau ein neues Leben in einer anderen Stadt anfangen und dort mit ihrem Geld eine Metzgerei eröffnen. Doch wie so vieles in seinem Leben scheitert auch dieser Versuch um ein Leben in Normalität und Akzeptanz, stattdessen erfährt er Demütigung um Demütigung und es zeigt sich, dass die Vorstellungen von Redlichkeit und Moral stark von der Perspektive abhängen..

Spannung: 8/10
Atmosphäre: 9/10
Action: 3/10
Humor: 3/10
Anspruch: 8/10
Unterhaltungswert: 8/10

Cast: 8/10
Score: -/10
Screenplay: 8/10
Produktion: 7/10
FX: -/10
Gore: 3/10
Synchro: gut (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Verachtung, Wut und Frauenfeindlichkeit: 100%
  • krude, vor Hass sprühende Gedankenströme: 100%
  • Inzest und Kinderhack: 100%

Bewertung:

Im viel diskutierten "Menschenfeind" von Gaspar Noé prasselt ein derart wütender stream of consciousness auf den Zuschauer ein, dass dieser so oft zwischen den Zuständen der Ablehnung, Empörung, distanzierter Belustigung und heimlicher Zustimmung schwankt, bis er spätestens beim stakatohaften Finale nicht mehr weiss, wo ihm überhaupt der Kopf steht. Die schon bei scheinbaren Kleinigkeiten im Kopf des vom Leben gebeutelten Protagonisten explodierenden Hasstiraden kommen einem nicht selten seltsam bekannt vor. Das macht die Hauptperson aber keineswegs sympathischer, nein, der Metzger bleibt ein perverser Widerling, unfähig zur Selbstreflexion, frei jeder sozialen Kompetenz. Die eigene, in wütenden Momenten oft so ähnliche Denkweise scheint mit einem Mal fremd und fragwürdig. Diesen Effekt nutzt der Film und spielt mit der Hoffnung des Zuschauers auf das Gute im Menschen, lässt sie jedoch nur kurz keimen um sie dann wieder mit voller Verachtung in den Dreck zu treten. Die Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit sind geradezu allgegenwärtig und das Gefühl, auch ausserhalb des Gefängnisses nur ein Gefangener zu sein, beinahe greifbar.

Letzten Endes bleibt Menschenfeind ein Film, bei dem es schwer fällt seine Essenz in Worte zu fassen. Denn mehr noch als das erbärmliche soziale Milieu, in denen sich die Protagonisten befinden und die schlimmen Schicksalsschläge, die der Metzger, seine Frau und seine Tochter erleiden, schockieren den Zuschauer die kompromislosen Charakterzüge des Metzgers selbst, in denen sich das tierhafte, primitive des Menschen in all seiner Abscheulichkeit offenbart. Die Selbstverständlichkeit, mit der die ethischen Grundsätze innerhalb unseres sozialen Gefüges verstanden werden, zeigen sich als naive Illusion und werden, fallend, eine Frage des Standpunktes. Diese desillusionierende Wirkung auf den Zuschauer ist das eigentlich Besondere an "Menschenfeind" - und es scheint unmöglich sich ihr zu entziehen. Denn mit donnerndem Klang untermalt, wird die deprimierende Botschaft des Films in dessen Verlauf mit abrupten Schnitten immer wieder regelrecht in die Wahrnehmung des Zuschauers hinein geprügelt. Und so bleibt die Erkenntnis, dass nicht nur die Zeit, sondern auch die Moral als relativ zu betrachten ist.

Fazit: Keine Sympathieträger, kein Happy-End. "Menschenfeind" ist verstörend, desillusionierend, schonungslos und abstoßend und ähnlich Michael Hanekes "Funny Games"(1997) hart an der Grenze des Erträglichen - also alles, aber kein Popcorn-Kino. Dafür aber ein einfach großartiger Film.

9/10 
Artverwandtes:
Irreversibel
Funny Games

Freitag, 2. Oktober 2009

Review: Ein Zombie hing am Glockenseil

"Der Mensch besteht aus Knochen, Fleisch, Blut, Speichel, Zellen und Eitelkeit."
- Kurt Tucholsky



Ein Zombie hing am Glockenseil 
/ City of the Living Dead
Originaltitel: Paura nella città dei morti viventi
Italien
Jahr: 1980
Laufzeit: 93 Minuten
FSK Indiziert & bundesweit beschlagnahmt

Regie: Lucio Fulci
Cast: Christopher George, Catriona MacColl

Genre: Horror (Zombie/Splatter/Gore)

Plot: Während einer Séance beobachtet ein Medium den Selbstmord eines Priesters und verstirbt unmittelbar danach augenscheinlich selbst. Die Leiterin dieser spiritistischen Sitzung vermutet daraufhin einen Zusammenhang zu einer alten Prophezeiung, nach der sich im Ort Dunwich nach dem Selbstmord eines Geistlichen die Toten aus den Gräbern erheben. Das doch nicht so tote Medium wird lebendig begraben, kann jedoch rechtzeitig von einem zufällig anwesenden Reporter befreit werden (und hat Glück dabei, nicht durch die vom Reporter mit vollem Eifer geschwungene Spitzhacke erschlagen zu werden). Beide machen sich daraufhin auf gen Dunwich, wo sich die unheilvolle Prophezeiung bereits zu erfüllen beginnt...

Spannung: 5/10
Atmosphäre: 4/10
Action: 5/10
Humor: 2/10
Anspruch: 1/10
Unterhaltungswert: 6/10 (mit Bier: 8/10)

Cast: 4/10
Score: 4/10
Screenplay: 4/10
Produktion: 6/10
FX: 4/10
Gore: 8/10
Synchro: schlecht (furchtbar/schlecht/mäßig/ok/gut/ausgezeichnet)
Mainstream: Nein

Kurzinhalt:
  • Blutige Augen und Sodbrennen: 120%
  • Gedärm und Ekel als Selbstzweck: 90%
  • Matschbirnen: 70%

[ Die folgende Bewertung ist nicht final und bedarf einer Überarbeitung ]

Bewertung:

Es gibt gute und schlechte Zombiefilme.. und die Gore-Machwerke des Lucio Fulci, die stehts irgendwo dazwischen rangieren. "Ein Zombie hing am Glockenseil" gehört dabei nicht zu den schlechtesten Filmen Fulcis, die freilich nie die Klasse der Konkurenten Romero oder Giallo-Spezialist Argento erreichten, aber gerade in feucht-fröhlicher Runde oft durchaus zu unterhalten wissen. Das liegt nicht zuletzt am überoffensichtlichen Fokus auf drastische Ekelmomente, die sich auch dem cineastisch erfahrenen Betrachter ins Gedächtnis brennen; eine plausible Handlung oder andere (in Fulcis Augen scheinbar) inszenatorische Nebensächlichkeiten treten hingegen weit in den Hintergrund. Während so die nicht weiter erwähnenswerte Handlung von "Ein Zombie hing am Glockenseil" schnell vergessen ist, die Szene mit dem Werkbankbohrer wird in den Hirnwindungen des Filmfreundes stehts ein lauschiges Zuhause sein eigen nennen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Fulcis Werk oft auf diese Zombiefilme reduziert wird. Ich bin zwar kein besonderer Fulci-Kenner, aber ich mochte z.B. "Django - Sein Gesangbuch war der Colt" lieber als jeden seiner Zombiefilme. Nichts desto weniger gibt es auch hier wieder einige (visuelle) Spielereien und nette Einfälle, wenngleich "Ein Zombie hing am Glockenseil" weit konventioneller, aber auch gestraffter erzählt ist als "Über dem Jenseits" (Alternativtitel: "Die Geisterstadt der Zombies").

Fazit: Ohne im entferntesten mit Romeros Meisterwerk "Dawn of the Dead"(1978) konkurieren zu können, sei es in Produktion, Make-Up, Score, Cast oder Anspruch, gelingt Fulci hier doch immerhin ein gut unterhaltender und bluttriefender Zombiestreifen, der weit besser ist als das Gros an nächtlich reitenden, schwimmenden oder seilspringenden Leichen des Genres, seinem eigenen Kultstatus dabei aber nur mit Mühe gerecht wird.

5.5/10

Artverwandtes:
Dawn of the Dead
Day of the Dead
Woodoo - Schreckensinsel der Zombies
Großangriff der Zombies